Corona-Testzentrum am Flughafen Hamburg. Forscher bezweifeln, dass die Tests wirklich Sicherheit bringen.
Foto: Chris Emil Janßen/imago images

BerlinDiese Woche begannen an den Flughäfen in Berlin die ersten Tests für Reiserückkehrer aus sogenannten Corona-Risikogebieten im Ausland. Die Testergebnisse sollen innerhalb von 48 Stunden vorliegen. Sollte der Test positiv ausfallen, werden das zuständige Gesundheitsamt und der Getestete informiert, der dann seine Quarantäne fortsetzen muss. Manche Wissenschaftler sehen aber in den Tests am Flughafen auch ein großes Problem. Zu ihnen gehört die Virologin Isabella Eckerle, Professorin und Leiterin des Zentrums für Viruserkrankungen an der Universität Genf. Die Testung von Reisenden direkt nach ihrer Rückkehr am Flughafen sei eine reine Momentaufnahme, die nur für diesen Augenblick Gültigkeit habe, sagt sie. „Am nächsten Tag kann es schon anders aussehen.“

Zunächst könne man mit diesen Tests keine Personen identifizieren, die sich in der Inkubationszeit befänden, sagt Isabella Eckerle. Diese erreichten dann kurz nach ihrer Rückkehr die hochinfektiöse Phase und gingen sorglos, weil „freigetestet“ zurück zur Arbeit. „Es ist außerdem schwer zu vermitteln, dass sich jemand bereits am Folgetag nach dem negativen Ergebnis gleich wieder testen lassen soll, wenn er oder sie plötzlich Symptome bekommt.“ Zudem existiere weder in Deutschland noch in der Schweiz „die Logistik, um alle Rückkehrer mit einer sinnvollen Turnaround-Zeit zu testen und diese Ergebnisse an das zuständige Gesundheitsamt am Heimatort des Rückkehrers zu melden“.

Die Inkubationszeit bei Covid-19 beträgt etwa fünf Tage bis zu zwei Wochen. In Studien konnten vermehrungsfähige Viren bis zu sechs Tage vor Symptombeginn nachgewiesen werden. Das bedeutet: Ein Rückkehrer kann bereits viele Tage infiziert sein, ohne dass schon Viren nachzuweisen sind. Hoch ansteckend ist der Infizierte etwa zwei Tage vor Symptombeginn. Danach kann er andere bis zu einer Woche lang anstecken, mit abnehmender Intensität. Insgesamt ergibt sich eine durchschnittliche Infektiosität von acht bis neun Tagen. „Das bedeutet auch: Ein Patient kann zwar im Urlaub die Infektion bekommen und durchgemacht haben und Reste des Virus sind noch nachweisbar, aber er ist nicht mehr ansteckend“, sagt Isabella Eckerle. Dann wäre der Test auf dem Flughafen auch nicht mehr ausschlaggebend.

Hoher Bedarf an Testressourcen

Am wichtigsten erscheint der Virologin aber, dass Testreagenzien weltweit begrenzt sind. Man befinde sich eventuell bereits am Beginn einer zweiten Welle, „ein hoher Bedarf an Testressourcen in kritischen Bereichen muss hier antizipiert werden“. Solche Bereiche sind für sie das Gesundheitswesen, Pflegeeinrichtungen, Schulen und alle weiteren Bereiche, „in denen sich bald das Leben nach drinnen verlagert“.

Für die Virologin Isabella Eckerle wäre „eine konsequente Quarantäne bei Rückkehr aus Risikogebieten“ eine pragmatische und effektive Lösung. „Ein Ausweg aus dem Dilemma, der einen Kompromiss darstellen könnte, wäre eine konsequente Kurz-Quarantäne für fünf bis sieben Tage nach Rückkehr – und dann eine Testung per PCR am Heimatort“, sagt Eckerle. Damit würden zwar auch Test-Ressourcen in Anspruch genommen, aber eventuell könnten zunächst viele Rückkehrer wieder im Homeoffice arbeiten, und die Auswertung der Proben sowie die Kommunikation mit dem zuständigen Gesundheitsamt könnten dann durch das nächste Labor vor Ort erfolgen. „Dieses Vorgehen wäre wesentlich effizienter, um eingeschleppte Infektionen zu vermeiden, ohne falsche Sicherheit zu vermitteln“, sagt Isabella Eckerle. Und es sei auch deutlich realistischer in der Umsetzung.