„Einreise fast unmöglich“: Russen staunen über Deutschlands neue Tourismusregeln

Ein Konto bei einer europäischen Bank für einen Urlaub in Deutschland? Die EU hat das Visaerleichterungsabkommen mit Russland ausgesetzt, die dramatischen Folgen werden jetzt spürbar. 

In der EU immer weniger wert: der russische Pass.
In der EU immer weniger wert: der russische Pass.dpa/Kay Nietfeld

Am Montagabend wiesen staatliche und nichtstaatliche russische Medien im Einklang darauf hin, dass VisaMetric, der offizielle Dienstleister für die Visumantragsannahme der deutschen Auslandsvertretungen in Russland, seit Kurzem neue Forderungen an reiselustige Russen stellt.

Wenn russische Staatsbürger jetzt ein Schengen-Touristenvisum für Deutschland erhalten wollen, müssen sie nach VisaMetric-Angaben eine auf den Namen des Antragstellers ausgestellte Bestätigung von einer „nachweislich auch in den EU-Mitgliedstaaten tätigen Bank“ vorlegen. Diese muss auch Auskünfte über die Höhe der auf dem Konto aktuell vorhandenen Barmittel beinhalten. Der Antragsteller muss zusätzlich die entsprechenden Kontoauszüge der letzten drei Monate vorlegen. Mit den Dokumenten sollen Russen praktisch nachweisen, dass sie während ihres Aufenthaltes in Deutschland zahlungsfähig bleiben.

Ein Konto bei russischer Bank genügt nicht mehr

In der Praxis bedeutet das: Ein Konto bei einer beliebigen russischen Bank (wie früher geregelt) genügt nicht mehr, denn fast alle in der EU früher tätigen russischen Banken sind mittlerweile sanktioniert und andere Banken sind in der EU nicht vertreten. Internationale Zahlungssysteme wie Mastercard und Visa haben Russland sowieso längst verlassen. Die gleichen Anforderungen gelten auch bei den Angaben zu notwendigen Dokumenten für Geschäftsreisen, einen Aufenthalt zu kulturellen oder wissenschaftlichen Zwecken sowie für einen Besuch auf Einladung von Verwandten.

Und das sind nicht die einzigen Einschränkungen, die von russischen Medien erst jetzt identifiziert wurden. Die Gebühr für ein Schengenvisum ist für Antragsteller ab zwölf Jahren von 35 Euro auf 80 Euro gestiegen, die Bearbeitungszeiten verlängern sich, die Unterkunft vor Ort muss nicht nur gebucht, sondern bereits bezahlt sein und die Reisekrankenversicherung darf nur in der EU abgeschlossen sein. Das gibt VisaMetric schon seit Längerem bekannt. Außerdem werden grundsätzlich keine Mehrfachvisa für mehr als eine Reise erteilt.

Russischer Tourismusverband: „Die härteste Option“

„Diese Bedingung (mit dem Bankkonto) macht es fast unmöglich, ein deutsches Schengenvisum zu erhalten“, kommentierte der Verband der Reiseveranstalter Russlands am Dienstagabend unter Verweis auf die Vertreter des Tourismusmarktes. Das deutsche Visazentrum habe russische Antragsteller erneut „unangenehm überrascht“.

„Tatsächlich werden alle Kontoauszüge russischer Banken nicht mehr akzeptiert“, schreibt der Verband weiter. Alle russischen Banken hätten ihre Filialen in Europa verkauft oder geschlossen. Von Banken, an denen europäisches Kapital beteiligt ist, blieben tatsächlich nur die Raiffeisen Bank (Österreich) und die OTP Bank (Ungarn) übrig. Aber auch sie seien dabei, sich von Russland zu distanzieren. Ein Mitglied des Verbandes bezeichnete die neue Forderung als die „die härteste Option“. Selbst Russen mit einer Bankkarte der internationalen Zahlungssysteme Visa oder Mastercard in Nicht-Schengen-Ländern wie der Türkei oder Usbekistan werden nun kein Visum mehr erhalten, so die Erwartung. Die erklärte Visapolitik bedeute tatsächlich, dass Russen die Möglichkeit verwehrt wird, „ein Visum für Deutschland zu erhalten“.

Auswärtiges Amt: So können Russen etwas leichter einreisen

Auf die Nachfrage der Berliner Zeitung beim Auswärtigen Amt, ob russische Staatsbürger mit einem Konto in einem Drittland dennoch ein Schengenvisum erhalten könnten, ging das Ministerium nicht ein.

Stattdessen lässt die Behörde in einer Antwort wissen, dass die neuen Leitlinien der EU-Kommission für Schengenvisaanträge für russische Staatsbürger für alle EU-Staaten einheitlich seien. „Dort ist festgehalten, dass als Nachweise der Finanzierung für Visa zu touristischen Zwecken Bestätigungen von Banken vorzulegen sind, die auch in den EU-Staaten tätig sind. Nur so ist sichergestellt, dass russische Touristen auf ihre Mittel während ihres Aufenthalts im Schengenraum auch zugreifen können.“ Diese neuen Vorgaben würden seit Ende September umgesetzt.

Wie können Russen aber sonst nach Deutschland einreisen? Beim Besuch von Verwandten und bei anderen nicht touristischen Reisen könne die Finanzierung auch anders nachgewiesen werden, erklärte das Auswärtige Amt – zum Beispiel über „Finanzierungsbestätigungen des Einladers, wenn es sich um eine Besuchsreise handelt“.

Das bestätigt die Annahme, dass russische Reisende ohne nichtrussisches Bankkonto kaum noch eine Chance auf ein Visum für Deutschland haben. Sie brauchen ansonsten die Einladung eines Deutschen oder eines in Deutschland lebenden Ausländers mit einem permanenten Aufenthaltstitel, der außerdem genug Geld zum Unterhalt des Gastes hat und das auch nachweisen kann.

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