Berlin - Mehrere tausend Mitglieder der armenischen Gemeinde Berlins versammelten sich am Nachmittag am Bundeskanzleramt. Von dort aus zogen sie durch die Innenstadt Berlins, um dem 100. Jahrestag des Völkermordes der Türkei an den Armeniern zu Gedenken. Außerdem protestierten sie dafür, dass die Türkei das Massaker als "Genozid" anerkennt. Schätzungsweise 1,5 Millionen Armenier wurden damals von den osmanischen Türken getötet. Historiker streiten darüber, ob es dich bei dem im Jahr 1915 verübten Massaker um den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts handelt.

Diplomatische Verstimmung durch Gauck-Äußerung

Unterdessen haben die Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck zum „Völkermord“ an den Armeniern eine diplomatische Krise mit der Türkei ausgelöst. „Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen“, teilte das Außenministerium in Ankara am späten Freitagabend mit.

Gauck hatte die Massaker an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg am Donnerstagabend erstmals klar als Völkermord bezeichnet. In der Mitteilung des Außenministeriums hieß es weiter, Gauck habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche. Das Ministerium warnte vor „langfristigen negativen Auswirkungen“ auf das deutsch-türkische Verhältnis.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach unterdessen den Nachfahren der Opfer der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren sein Beileid aus. „An diesem Tag, der für unsere armenischen Bürger eine besondere Bedeutung hat, gedenke ich aller osmanischen Armenier mit Respekt, die unter den Bedingungen des Ersten Weltkrieges ihr Leben verloren haben“, erklärte Erdogan am Freitag. Der Staatspräsident sprach im Zusammenhang mit den Massakern von „traurigen Ereignissen“. (red/mit dpa)