Berlin - Alexander Gauland entschuldigt sich nicht. Er bedauert lediglich „die entstandene Wirkung“ seiner Worte. „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, hatte der AfD-Vorsitzende und Bundestags-Fraktionschef beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative in Thüringen gesagt.

Der Satz fiel nach einem Bekenntnis zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus mit Millionen ermordeten Juden und Millionen Kriegstoten. „Es war nicht meine Absicht, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu bagatellisieren“, erklärte Gauland nun am Montag. Er habe seine „tiefste Verachtung“ für den Nationalsozialismus mit dem Begriff „Vogelschiss“ zum Ausdruck gebracht.

Kritik aus der eigenen Partei

Er müsse aber, führt Gauland weiter aus, zur Kenntnis nehmen, dass viele in dem Begriff eine unangemessene Bagatellisierung gesehen hätten. Die Erklärung ist eine Reaktion auf öffentliche Empörung, aber auch auf Kritik aus der eigenen Partei.

„Der Herrn Gauland angelastete Satz – insbesondere die Bezeichnung »Vogelschiss« – ist in der Tat ausgesprochen unglücklich und die Wortwahl unangemessen“, hatte zuvor Co-Parteichef Jörg Meuthen „Zeit Online“ gesagt. Gleichzeitig verteidigte er Gauland allerdings gegen den Vorwurf, die NS-Zeit verharmlost zu haben. Die Alternative Mitte – eine eher mäßig bedeutende, sich selbst als moderat verstehende Strömung in der AfD – forderte hingegen eine Entschuldigung Gaulands.

Eigenes Rentenkonzept aus Thüringen

Währenddessen verschärft sich der inhaltliche Richtungskampf in der AfD in einer Art und Weise, wie sie auch Meuthen und Gaulands Co-Fraktionschefin Alice Weidel nicht recht sein kann. Denn während die beiden sich in wirtschaftlichen Fragen gern als Liberale präsentieren, legt der Thüringer Landesverband unter Führung von Björn Höcke ein eigenes Rentenkonzept vor. Das Konzept des Mannes vom äußersten rechten Parteiflügel ist geeignet, der Linkspartei in Sachen Geldausgeben und Großzügigkeit Konkurrenz zu machen – ergänzt allerdings um den völkischen Charakter, dass sich manche Leistungen nur an Deutsche richten sollen.

Das Thema Rente ist bei der AfD bislang eine Leerstelle. In ihrem Wahlprogramm 2017 schrieb die Partei, das Rentensystem müsse „leistungsfähig und den Herausforderungen der Zukunft nachhaltig gewachsen“ sein. Wie genau das dauerhaft funktionieren soll, hat die AfD jedoch nicht ausgeführt.

Rechtlich nicht haltbar

In dieses programmatische Vakuum stößt Höcke mit dem Vorschlag, das Rentenniveau über das Jahr 2045 hinaus auf 50 Prozent festzuschreiben. Die große Koalition will 48 Prozent bis 2025 festschreiben – und hat eine Rentenkommission eingesetzt, um über die danach dringend notwendigen Reformen zu beraten. Höcke stellt unter anderem einen steuerfinanzierten Aufschlag für diejenigen in Aussicht, die nach mindestens 35 Beitragsjahren eine sehr niedrige Rente haben. Gilt das für alle? Nein, den Aufschlag soll es nur für deutsche Staatsbürger geben. Höcke nennt das Modell (das laut Deutscher Rentenversicherung rechtlich nicht haltbar wäre) einen Anreiz zur Integration. Wer wolle, könne ja Deutscher werden. Die AfD-Thüringen beziffert die zusätzlichen Kosten ihrer Ideen auf 125 Milliarden Euro jährlich.