Volk, Fahne, Vaterland: Schwarz-Rot-Gold im CDU-Wahlkampf

Berlin - Es gab da diese Fahnen-Szene am Abend der letzten Bundestagswahl: CDU-Spitzenpolitiker stehen auf der Bühne in der Parteizentrale. Sie singen und jubeln - die Union hat die Wahl deutlich gewonnen. Der damalige CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, singt und jubelt mit. Eine Deutschlandfahne wird ihm gereicht, Gröhe beginnt damit zu wedeln. Ein paar Sekunden nur, dann nimmt ihm die Kanzlerin die Fahne aus der Hand und bringt sie von der Bühne.

Vornehmlich im Merkel-Hass-Lager im Internet hat diese Szene Konjunktur. Auch der Rechtsextreme AfD-Politiker Björn Höcke hat gerne auf den Vorfall verwiesen – als Beleg dafür, dass da eine Kanzlerin regiere, die mit Deutschland nicht viel am Hut habe. Höcke hat die Fahne statt dessen einmal in einer Fernseh-Talkshow wie einen Möbelschoner über die Lehne seines Sitzes gelegt.

Nationale Identifikation statt Nationalismus

Im kommenden Wahlkampf setzt die CDU nun offenbar explizit auf Schwarz-Rot-Gold. Auf dem ersten Entwurf ihrer Wahlplakate für die Direktkandidaten, die sie der Bild am Sonntag zur Verfügung gestellt haben, ist der Politikername mit den Flaggenfarben unterlegt. Mehrere Jahre hatte die CDU vorher auf die Erkennungsfarbe Orange gesetzt, um sich ein modernes Bild zu geben. Schwarz-Rot-Gold, davor gerne genutzt, galt selbst in der Partei, die ihre Parteitage mit der Nationalhymne beschließt, als etwas altbacken. Nun hat die mit dem Wahlkampf betraute Werbeagentur Jung von Matt einen neue Begründung gefunden: „Nationalismus ist falsch. Nationale Identifikation aber richtig. Dafür stehen die Kandidaten der CDU“, sagte Jung-von-Matt-Vorstand Thomas Strerath Zeitung.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber versucht schon etwas länger, die von der AfD und Pegida als Symbol hochgehaltene Deutschlandfahne wieder für seine Partei in Anspruch zu nehmen. „Nehmen wir denen unsere Fahne weg. Sie ist zu schön dafür“, forderte er vor zwei Jahren und bedauerte, dass Kinder zwar Blumen, Häuser und Bäume malten, nicht aber die deutsche Fahne. Tauber spricht auch gerne davon, dass er stolz sei „auf unser Vaterland“.

Auch die Parole „Wir sind das Volk“ will die CDU den Pegida-Protestierern nicht lassen. Es gehe nicht, dass eine kleine Gruppe definiere, wer das Volk sei, sagt Merkel.

Den Wahlabend vor vier Jahren hat Tauber übrigens einmal so erklärt: Merkel habe deutlich machen wollen, dass man zwischen Staat und Partei eine Grenze ziehen müsse. „Sie wollte nicht den Eindruck erwecken, die CDU reiße sich nun das Land unter den Nagel.“