Köln - Herr Beck, als der CDU-Politiker Andreas Schockenhoff öffentlich eingestand, alkoholkrank zu sein, und sich einer Behandlung unterzog, hat ihm das viel Respekt eingetragen. Sie erklären dieses Vorkommnis mit Drogen vor ein paar Wochen zur Privatsache – und werden prompt als uneinsichtig und arrogant kritisiert. Wundert Sie das?

Ich will ich mich über Kritik nicht beschweren. Ich habe mein Verhalten ja selbst als falsch und dumm bezeichnet. Ich sage nur: Für Politiker gelten die gleichen rechtlichen  Regeln und Konsequenzen wie für jeden anderen  auch. Sie haben dann aber genauso das Recht zu schweigen und das Recht auf  Privatsphäre. Mein Privatleben habe ich im Übrigen persönlich immer soweit wie möglich von meinem öffentlichen Auftreten getrennt.

Sie beanspruchen zudem das Recht, weiter Politik zu machen, obwohl die Öffentlichkeit jetzt von der Drogengeschichte weiß.

Es muss sich niemand Sorgen um mich oder meine Arbeit machen. Ich bin bei Sinnen und habe einen klaren Kopf.

Und was ist mit Ihrer Vorbildfunktion als Volksvertreter?

Vorbildlich müssen wir in der Übereinstimmung zwischen dem sein, was wir vor Wahlen ankündigen und danach umsetzen. Aber wir sind keine besseren Menschen und müssen das auch nicht sein. Vielleicht sind wir gerade mit all unseren unterschiedlichen Fehlern repräsentativ für das Volk, das wir vertreten sollen.

Wie es aussieht, werden Sie dazu nicht mehr allzu lange Gelegenheit haben. Der Grünen-Landesvorsitzende Sven Lehmann, ein Kölner, drängt mit einem 92-Prozent-Wahlergebnis im Rücken auf Ihren Listenplatz für die Bundestagswahl. Sind Sie wiedergekommen, bloß um gleich wieder gehen zu müssen?

Alles hat seine Zeit. Ich will jetzt erst einmal meine politische Arbeit in der Fraktion fortsetzen Im Übrigen: Es geht ohnehin nicht in erster Linie um mich, sondern um meine Anliegen: was ist das Beste für den Kampf gegen Minderheitenfeindlichkeit, für gleiche Rechte und einen fairen Umgang mit Israel.

Und Ihrer Partei oder den Wählern zugleich signalisieren, »da bin ich wieder, und Ihr habt mit mir zu rechnen«?

Sagen wir so: Ich bin noch da, und ich werde und will mich weiter einmischen für Menschenrechte, ob im Parlament oder in der Zivilgesellschaft.