Volker Beck.
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BerlinVolker Beck, früherer Abgeordneter der Grünen im Bundestag, hat Anzeige gegen Vegan-Koch und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann erstattet. Im Raum steht der Vorwurf der Beleidigung, Volksverhetzung und Anstiftung zu einer Straftat, wie Beck am Dienstag im Gespräch mit der Berliner Zeitung bestätigte. 

Hildmann hatte zuvor in einer Gruppe des Messengerdienstes Telegram gefordert, für Beck die Todesstrafe wieder einzuführen. In der Nachricht, die Beck auf seinem Twitter-Account geteilt hat, heißt es: „Für Beck würde ich als zukünftiger Reichskanzler wieder die Todesstrafe durch Eier-Treten auf öffentlichem Platz einführen.”

Jetzt rudert Hildmann zurück. Er sehe in seiner Nachricht keine Morddrohung und sei „gesprächsbereit”, schreibt er auf Telegram. Darüber hinaus sei seine Forderung an die Bedingung geknüpft, irgendwann einmal Reichskanzler zu werden.

Meine erste Pistolenkugel hatte ich 1996 in Bonn in der Post. Ich habe auch schon in manchen Jahren 100 Morddrohungen bekommen.

Volker Beck

Es ist bei weitem nicht der erste Fall einer Morddrohung gegen Beck, dessen Strafanzeigen mittlerweile einen ganzen Ordner füllen. „Neu ist das alles nicht: Meine erste Pistolenkugel hatte ich 1996 in Bonn in der Post. Ich habe auch schon in manchen Jahren 100 Morddrohungen bekommen”, sagt er. Den Hass habe es bereits vor dem Internet gegeben. „Die neue Qualität ist, dass aus diesen Worten immer häufiger auch Taten werden. Ereignisse wie in Halle, Hanau oder der Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke häufen sich.”

Die Verantwortung für die Zunahme der Gewalt setze bei den „Ohrensesselnazis” an, sagte Beck. Damit meine er Menschen, die gegen Angela Merkels Zuwanderungspolitik wettern oder Maßnahmen zum Schutz vor Corona infrage stellen.  „Viele von denen bereiten die Stimmung für rechtsextremistische Taten.” Anders als früher fühlten sich die Täter von einem Teil der Gesellschaft in ihrem Denken bestätigt und sähen sich als „mutige Vorboten und Helden. Deshalb haben AfD und Rechtsextreme auch eine Verantwortung, wenn aus Worten Taten werden.” Beck betrachtet die Partei als Wegbereiter für rechte Gewalt, die gegen alle Gruppen, egal ob Homosexuelle, Juden oder Muslime, zunehme.

Ob es ein Verfahren gegen Hildmann geben wird, ist offen

Wichtig sei es, bei der Auseinandersetzung mit rechten Hetzern nicht klein beizugeben. „Ich war nie leicht einzuschüchtern”, sagt Beck. Selbst als er 2006 während einer nicht genehmigten Kundgebung homosexueller Demonstranten in Moskau von einem Neonazi zusammengeschlagen wurde, sei er im Folgejahr wieder nach Russland gereist. Gleichzeitig warnt der Ex-Politiker davor, abzustumpfen. Dann bestehe die Gefahr, unachtsam zu werden und sich selbst unnötig zu gefährden. „Ich schaue schon ganz genau hin, wenn sich auf der anderen Straßenseite etwas zusammenrottet und Bezug auf mich nimmt.”

Morddrohungen wie die von Hildmann versucht Beck zu verdrängen. „Auch wenn sich die Gedanken in einem ruhigen Moment manchmal doch ins Bewusstsein schleichen. Die Seele ist kein Muskel, den man trainieren kann.“ Jungen Kollegen empfiehlt er, zu prüfen, inwieweit sie solche Drohungen psychisch belasten und sich nicht zu scheuen, das Gespräch mit Experten zu suchen.

Ob seine Anzeige gegen Hildmann am Ende zu einem Gerichtsverfahren führt, will Beck nicht prognostizieren. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat sich auf die Anfrage, ob bereits eine Anzeige vorliege, noch nicht geäußert.