Volker Wissing
Foto: Imago/Rainer Unkel

BerlinDeutsche Politik geht derzeit so: Viel über Parität zwischen Männern und Frauen reden, am Ende Männer befördern. Insofern liegt die FDP, die den Posten des Generalsekretärs neu besetzt, voll im Trend. Volker Wissing, 50 Jahre alt, gebürtig in Landau in der Pfalz, seit vier Jahren Wirtschaftsminister in der Ampelkoalition in Rheinland-Pfalz, löst die bisherige Generalsekretärin Linda Teuteberg ab. Offiziell soll er auf dem Bundesparteitag im September im neuen Amt bestätigt werden. Er soll die FDP, die in den Umfragen zwischen fünf und sieben Prozent liegt, wieder sichtbarer machen und den Wahlkampf organisieren.

Mit der Absetzung von Linda Teuteberg geht ein Experiment zu Ende. Erst im vergangenen Jahr war die 39-jährige Juristin, die in der Nähe von Storkow aufwuchs, ernannt worden. Sie sollte andere Themen setzen, Frauen und Ostdeutsche ansprechen, die FDP weicher machen. Nur 22 Prozent der Bundestagsfraktion sind Frauen. Lindner hatte sie selbst vorgeschlagen und ihre Empathie gelobt. Doch dann war er offenbar schnell ungeduldig geworden. In den vergangenen Wochen hörte man Gerüchte über ihre bevorstehende Ablösung. Sie sei zu leise, zu brav, stoße zu wenig Debatten an. Sie ist ungefähr das Gegenteil des Thüringer FDP-Chefs Thomas Kemmerich, der sich von der AfD ins Ministeramt hieven ließ. Kemmerich blieb, Teuteberg geht. So läuft das.

Wissing hat schon mal in einer sozialliberalen Regierung gearbeitet

Mit Volker Wissing, der aus einer Winzerfamilie stammt, geht Lindner nun auf Nummer sicher: Wissing saß bis zum Absturz der Partei 2013 schon mal im Bundestag, war Finanzexperte der Liberalen. In Mainz habe er laut FAZ im rot-gelb-grünen Kabinett einen respektablen Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie stellvertretenden Ministerpräsidenten abgegeben. Er sei kompetent, ein guter Redner, allerdings etwas unterkühlt, heißt es dort.

Ist die Personalie Wissing auch ein Signal, dass sich Lindner nun doch eine Ampelkoalition auf Bundesebene vorstellen kann? Bisher hatte er das ausgeschlossen. Aber in den vergangenen Wochen gab es mehrere Äußerungen, die darauf hindeuten, dass die FDP ihre sozialliberale Seite aufpolieren will. Lindner, der Grüne Robert Habeck und der Sozialdemokrat Olaf Scholz können miteinander, hört man. Die Frage in der Pressekonferenz am Montag, ob die Nominierung Wissings ein Signal sei, wehrte Lindner allerdings ab.