Berlin - Julia Klöckner lässt keinen Zweifel. „Ich bin dafür, dass Vollverschleierung verboten wird“, sagt die stellvertretende CDU-Vorsitzende. Auch andere führende Unionspolitiker hatten  jüngst kritisiert, dass die Frauen einer islamischen Minderheit nur in ein schwarzes Tuch gekleidet in die Öffentlichkeit dürfen, das lediglich einen schmalen Sehschlitz offen lässt.  So deutlich war keiner.

Jens Spahn zum Beispiel. Er könne „nicht akzeptieren“, dass Frauen sich nur komplett verhüllt im öffentlichen Raum bewegen dürften, sagte der Gesundheitspolitiker. Der  Frage nach einem Verbot wich er aus: „Burka geht gar nicht.“ Keine juristisch eindeutige Forderung.

Die beiden Äußerungen sind im Vorfeld des Integrationsgipfels gefallen, der am Montag im Kanzleramt stattfand. Aber wichtiger ist für Spahn und Klöckner ein Ereignis, nächste Woche in Köln: Der CDU-Parteitag. Dort kandidiert Spahn gegen die Pläne der Führung für das Präsidium. Publicity tut da nicht schlecht. Die Abrundung des  Profils erst recht nicht. Der bekennende Schwule  kann einen Touch Konservatismus  brauchen.

Im Bund punkten

Und Julia Klöckner? Die 41-jährige muss sich überhaupt wieder in Erinnerung bringen. Beim Aufstieg in die Parteispitze, erst ins Präsidium, dann in die Riege der fünf Vize-Vorsitzenden erzielte sie Rekordergebnisse. Als „Hoffnungsträgerin“ ihrer Partei in der Generation nach Angela Merkel wurde sie gehandelt. Sie wechselte aus dem Bundestag in den Mainzer Landtag und schien gute Chancen zu haben, ihre Heimat für die CDU zurück zu erobern. Dort  hatte einst Helmut Kohl seinen Aufstieg begonnen.

Der bräsige Ministerpräsident Kurt Beck, als SPD-Chef im Bunde gescheitert, daheim von Affären gebeutelt – einen besseren Gegner hätte sich die lebhafte Winzertochter aus Guldental nicht wünschen können. Doch der machte seine langjährige Sozialministerin Malu Dreyer zur Nachfolgerin. Die ist zehn Jahre älter als die Oppositionsführerin, lässt aber an Dynamik nichts zu wünschen übrig. Mit Blick auf die Landtagswahl 2016 hat sie sich gerade der personellen und politischen Altlasten aus der Ära Beck entledigt.

Nun hat Julia Klöckner ein Problem. Wenn es in der Landespolitik schwieriger wird, muss sie wenigstens im Bund punkten. Ein nicht ideales Ergebnis bei der Wahl zu einem Vorstandsposten, von dem nach dem Parteitag kaum mehr die Rede sein wird, kann zwar kaum bleibenden Schaden anrichten. Aber Kommentare, dass die Hoffnungsträgerin sogar im eigenen Verein schwächele, kann Klöckner nicht brauchen.

Ob sie ihre heimischen Machtperspektiven allerdings ausgerechnet durch eine konservative Profilierung fördert, steht auf einem anderen Blatt. Mit 35 Prozent ist die CDU in ihrem einstigen Stammland weit von der absoluten Mehrheit entfernt. Die FDP, die in Mainz zuletzt zur SPD neigte, dürfte auch nach 2016 nicht zur Verfügung stehen. Und ob die Grünen (zuletzt 15 Prozent) von Malu Dreyer zu einer CDU-Politikerin wechseln, auf die antiislamische Karte setzt? Julia Klöckner hat ein großes Problem, dass durch ein paar Schlagzeilen nicht aus der Welt zu schaffen ist.