Die YouTuberin Lisa Licentia wird am Rande einer Demonstrationen in Köln von der Polizei zu Boden gebracht.
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Berlin - Der ehemalige AfD-Pressesprecher Christian Lüth wurde von seiner Partei entlassen, nachdem er davon gesprochen haben soll, wie man Migranten töten könne. Die menschenverachtenden Aussagen soll Lüth in einem vermeintlich vertraulichen Gespräch mit der rechten Influencerin Lisa Licentia getätigt haben. Tatsächlich zeichnete ein Fernsehteam die Unterhaltung mit verdeckten Kameras auf. In der am Montag ausgestrahlten ProSieben-Reportage „Rechts. Deutsch. Radikal“ waren die Aussagen des ungenannten „AfD-Funktionärs“ zu hören.

Für den Film begleitete der Reporter Thilo Mischke das rechte Poster-Girl Lisa Licentia außerdem zu einer AfD-Medienkonferenz im Sommer 2020, wo ungeniert gegen Migranten und die Bundesregierung gehetzt wurde. Später brach Licentia unter Tränen vor der Kamera zusammen und zeigte sich entsetzt über die fremden- und frauenfeindlichen Äußerungen. Erst auf der Konferenz habe sie begriffen, wie rassistisch die AfD sei. Sie sei instrumentalisiert worden und werde nun bedroht. Die heimlich getätigten Aufnahmen sollten dazu dienen, die AfD zu enttarnen, sagte sie. Mit dem Film machte sie ihren Seitenwechsel öffentlich.

Vor nicht allzu langer Zeit zeigte Licentia ihre Nähe zur AfD noch sehr offen. Rasch avancierte sie zu einer einflussreichen Figur in der rechtsextremen Medienszene. Als Mutter dreier Kinder und mit ihrem vermeintlich „typisch weiblichen“ Erscheinungsbild schien die Wahlkölnerin gut in das extrem rechte Frauenbild zu passen. Ihr bürgerlicher Name ist nicht öffentlich bekannt, sie ist unter dem Pseudonym Licentia auf sämtlichen Social-Media-Kanälen unterwegs, nutzt Twitter, YouTube, Instagram und die Gaming-Plattform Twitch. Dort äußerte sie sich sexistisch, rassistisch und islamophob und huldigte der AfD. Mit ihrem YouTube-Channel, auf dem sie über Demonstrationen berichtete und Statements abgab, wurde sie zu einem Star in der rechten Netz-Community. Im Internet findet man zahlreiche Bilder, wie sie auf Demonstrationen mit Antifaschisten aneinandergerät oder von der Polizei festgenommen wird. Bis zum Juni 2019 war die junge, Mitte 20-jährige Frau Mitglied in der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Identitären Bewegung.

Im Juni 2020 wurde Licentias Twitter-Account gehackt. Dabei wurden zahlreiche private Nachrichten und Daten von ihr veröffentlicht und ihre Beteiligung an der besagten Dokumentation bekannt gemacht. Daraufhin schlug ihr ein Shitstorm aus Hasstiraden samt Morddrohungen entgegen. Im Juli hatte sie ihre Abkehr von der rechtsextremen Szene angedeutet. „Ich weiß, dass ich Menschen verurteilt habe. Dass ich pauschalisiert habe“, schrieb Licentia auf Twitter. „Ich weiß, dass Menschen Probleme wegen mir bekamen. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war. Und ich kann verstehen, wenn man mir nicht glaubt.“ In dem ProSieben-Film erklärte sie, dass sie aus der rechten Szene aussteigen wolle und derzeit an einem Aussteiger-Programm teilnimmt.