Die designierte Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, spricht bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung
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Nach der Kritik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron an der Nato hat die künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein demonstratives Bekenntnis zu dem Militärbündnis abgelegt. Die Nato sei "das mächtigste Verteidigungsbündnis der Welt" und eine "einzigartige Organisation", sagte sie am Freitagabend in Berlin laut AFP.

Macron hatte bei der Nato in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview den "Hirntod" diagnostiziert. Es gebe "keinerlei Koordination bei strategischen Entscheidungen zwischen den USA und ihren Nato-Verbündeten", sagte er.

"Die Nato war und ist immer das, was ihre Mitgliedstaaten aus ihr machen", mahnte am Freitagabend von der Leyen. Es liege an den 29 Mitgliedstaaten, "sich einzubringen und etwas zu ändern". Die Nato habe sich "bei allen Holprigkeiten bis in die letzten Wochen hervorragend als Schutzschirm der Freiheit bewährt". Die Geschichte Europas könne ohne diese Organisation nicht erzählt werden.

US-Außenminister Pompeo sagte bei einem Treffen mit Merkel, alle müssten zusammenarbeiten, damit die Nato eine "wichtige Macht für das Gute in der Welt" bleibe. Er lobte in diesem Zusammenhang die Ankündigung von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), den Wehretat deutlich zu erhöhen.

Zugleich bekannten sich Merkel und Pompeo zur Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA. Pompeo lobte die Kanzlerin bei seinem Besuch in Berlin als "große Freundin der USA". Deutschland sei ein "enorm wichtiger Partner" seines Landes. "Wir sind weiter Alliierte und Partner", sagte auch Merkel. Deutschland wolle eine "aktive Rolle spielen", um Probleme in der Welt zu lösen.

Am Abend bekräftigte die Kanzlerin auf der Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung, bei der auch von der Leyen sprach, die Bedeutung der internationalen Kooperation. Die Welt stehe vor großen Herausforderungen, die ein "globales Handeln unabdingbar machen", sagte Merkel. Als Beispiele nannte sie den Klimawandel, "asymmetrische Konflikte" sowie Flucht und Vertreibung.

Von der Leyen forderte einen stärkeren Führungsanspruch Europas. "Europa muss auch die Sprache der Macht lernen", sagte sie. Europa müsse beispielsweise in der Sicherheitspolitik "eigene Muskeln aufbauen, wo wir uns lange auf andere stützen konnten". Zudem müsse Europa "die vorhandene Kraft gezielter einsetzen, wo es um europäische Interessen geht".