Berlin - Natürlich, die Lage ist ernst. Aber manchmal würde man sich wünschen, dass etwas Spaß dazu kommt. Weil mit Ernst auch nichts mehr vorangeht. Man würde sich wünschen, dass Hamas und israelische Regierung sich zusammensetzen, gemeinsam lachen und darüber ihre gegenseitigen Angriffe vergessen. Dass in der Ost-Ukraine Separatisten und ukrainische Soldaten sich mit Lach-Tränen in den Augen umarmen.

Es ist der Kern des Kabaretts, den Ernst durch Komik und Überzeichnung zu brechen. Und natürlich gibt es auch Situationskomik: Wenn etwa die Bundesregierung Schutzwesten in den Nord-Irak liefern will, beim Blick in die Lager aber feststellt, dass die Westen schon vor sich hinbröseln.

Auch Politiker sind nicht immer ernst – in unterschiedlichen Varianten, freiwillig und unfreiwillig. Und es zeigt sich: Ironie kann gefährlich sein. Das Lustigsein hat enge Grenzen.

Ursula von der Leyen: Die Verteidigungsministerin ist das aktuellste Beispiel dafür, wie schwierig es ist mit Späßen in der Politik. In einem Interview der Zeit wurde sie gefragt, ob die nächsten Fußball-Weltmeisterschaften tatsächlich in Katar und Russland ausgetragen werden könnten. Schließlich finanziert Katar vermutlich die Terrorgruppe Islamischer Staat. Und Russland hat die Krim annektiert und steckt weiter tief im Ukraine-Konflikt. Von der Leyen antwortete: „Wo auch immer gespielt wird: Deutschland schickt schießendes
Personal.“ Es war der Versuch, einer konkreten Antwort auszuweichen ohne einfach „Kein Kommentar“ zu sagen. Es war vielleicht auch der Versuch, das eigene harte Image etwas aufzuweichen, mit einer spielerischen Seite zu versehen. Allerdings debattiert Deutschland gerade über Waffen-Lieferungen in den Irak, wo Schießen kein Spaß ist. Die Parallele zu den deutschen Fußball-Torschützen wirkt ein wenig makaber.

Angela Merkel: In kleiner Runde lacht die Kanzlerin ziemlich gerne. Vermutlich ist es auch ganz gesund, sich über manch absurde Verhandlungssituation, manch sturen Gesprächspartner nicht nur zu ärgern, sondern auch mal zu amüsieren. In der Öffentlichkeit lächelt Angela Merkel mehr als früher, bleibt aber sonst meist ernst. Komik entsteht bei ihr oft durch schräge Satzkombinationen. Oder durch trockene Bemerkungen. Nach der Niederlage von Bayern München gegen Chelsea beim Championsleague-Finale 2012 etwa war ihr der britische Premier David Cameron um den Hals gefallen. Die beiden hatten das Spiel gemeinsam am Rande eines G8-Gipfels verfolgt. „Da hatte ich dann auch nichts von“, kommentierte die Kanzlerin Camerons Ausbruch.

Horst Seehofer: Beim bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef findet, man dürfe alles nicht so ernst nehmen. „Das war doch ein Spaß“, erklärt Horst Seehofer häufig, wenn sich mal wieder irgendwer über ihn gewundert hat.  Beim Spaß liegt bei ihm die Betonung auf dem s und häufig ist er Spott über andere, das – schnell verloschene - „Glühwürmchen“ Karl-Theodor zu Guttenberg etwa. Bei sich selber hört der Spaß oft auf. Drehhofer – diesen Witz mit seinem Namen findet Seehofer nicht besonders witzig.

Edmund Stoiber: Seehofers Vor-Vorgänger Edmund Stoiber ist absolut kabarett-tauglich, allerdings eher unfreiwillig. Edmund Stoiber ist ein Meister der Satzgirlanden, der Ähs und der Umständlichkeit. Seine Ausführungen zum Transrapid zwischen Münchner Hauptbahnhof und Flughafen („Wenn Sie, vom Hauptbahnhof in München, mit zehn Minuten, ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen….“) wurden zum Internet-Hit.

Gerhard Schröder: Ohne Angriffslust ging beim Ex-Kanzler wenig. Sein Witz ist polemisch und schnoddrig – Spaß mit gefletschten Zähnen.

Barack Obama: Unterhaltung gehört dazu in den USA. Eine Bühne dafür ist für den US-Präsidenten das Galadinner für Journalisten im Weißen Haus. Da nahm er in diesem Jahr sich selber und Wladimir Putin gemeinsam hoch: Der Friedensnobelpreis könne auch an Putin gehen. „Sie zeichnen heute so gut wie jeden damit aus“ – Obama hatte die Auszeichnung zu Beginn seiner ersten Amtszeit erhalten.

Wladimir Putin: Der russische Präsident reitet mit nacktem Oberkörper, er taucht und findet dabei rein zufällig alte Amphoren, er schreitet zur Amtseinführung bedeutend stundenlang durch leere Palastgänge und lässt sich dabei filmen. Alles ernst gemeinte Inszenierung als starker Mann, kein Witz. Bei einer österreichischen Wirtschaftskammer hat sich Wladimir Putin neulich einen echten Spaß erlaubt. Als der Kammerpräsident erklärte, er amtiere bereits so lange, dass er Putin nun schon zum dritten Mal als Gast begrüßen könne, bemerkte Putin kurz „Diktatur.“ Und nach einer Pause „Aber gute Diktatur“. Die Zuhörer lachten. Die Ukraine-Krise blieb vor dem Saal.