Medienkritik - kaum ein Thema findet in letzter Zeit mehr Beachtung. Manche Autor:innen erinnern uns daran, dass Medienkritik so alt ist wie die Medien selbst. Schon vor ca. 2500 Jahren diskutierten Sokrates und Platon über den Einfluss der Schrift auf unser Gedächtnis. Seitdem ist einiges passiert: Zeitung, Radio, Fernsehen und das Internet. Medien und ihre Macher:innen sammeln und sortieren Informationen, ordnen sie ein und verbreiten sie. Mit ihren Erzählungen prägen sie unser Weltbild. Das macht sie mächtig und lässt Kritik laut werden.

Argwohn gegenüber Macht

Aktuell lassen Kritiker:innen aus dem gesamten politischen Spektrum (rechts, links, bürgerliche Mitte) an „den“ Medien, „dem“ Journalismus, seinen Macher:innen und/oder den Institutionen kein gutes Haar. Begriffe wie „Lügenpresse“, „Staatsfernsehen“ und „Mediendiktatur“ zirkulieren in sozialen Netzwerken. An der Oberfläche stehen sie für das Misstrauen der Menschen in Medien. Darunter aber liegt oft ein tiefer Argwohn gegenüber Macht und gesellschaftlichen Ungleichheiten. „Die“ Medien sind dann vor allem eines: Sündenbock. Auf sie wird gehauen, wenn sonst niemand da ist.

Seit Jahren messen Wissenschaftler:innen Medienvertrauen. Ihre Grundannahme: Medienvertrauen ist gut, Misstrauen ist schlecht. Dabei ist es schwer zu bestimmen, was Medienvertrauen eigentlich ist. Vertrauen wir bestimmten Journalist:innen oder Moderator:innen, weil wir sie sympathisch finden? Vertrauen wir einer Zeitung oder einem Sender, weil wir sie schon immer konsumieren? Glauben wir alles, was sie berichten oder gehört es nicht zu unserer bürgerlichen Pflicht, kritisch zu hinterfragen, was uns als Medienrealität aufgetischt wird? Wissenschaftliche Fragebögen beantworten diese Fragen kaum.

Folgt man politischer Theorie, kann „blindes“ Vertrauen (ob in Politik oder Medien) nicht Ziel einer demokratischen Gesellschaft sein. Denn Demokratie braucht Debatte, und Grundlage jeder Debatte ist kritisches Denken. Wir hinterfragen, was uns als Bürger:innen (medial) geboten wird. Die Tagesschau zum Beispiel. Was zeigt sie? Und wichtiger: Was zeigt sie nicht? Klimakatastrophe, Machtkonzentrationen, den globalen Süden – diese Themen passen oft nicht in 30-Sekunden-Nachrichtenvideos.

Leichte Antworten auf schwere Fragen

Armin Scholl, Kommunikationswissenschaftler in Münster, bietet Qualitätskriterien für Medienkritik: Wird „die Richtigkeit einer aufgestellten Theorie mit empirischen Daten, mit konkurrierenden Theorien oder mit argumentativen Einwänden“ überprüft, ist die Kritik fundiert. Erheben Autor:innen aber exklusiven Gültigkeitsanspruch, finden sie leichte Antworten auf schwere Fragen und sind selbst kritikunfähig, sollte man aufhorchen. Dann kommt Belehrung statt Analyse, sprachlicher Krieg statt Debatte. Es dominieren klare Linien zwischen „uns“ und „den anderen“ und eine Pauschalkritik an „den“ Medien, nicht selten für politische Ziele. Am Ende kommt dann heraus, was man eh schon wusste. „Die“ Medien sind schlecht.

Gute Medienkritik ist dagegen wie ein Puzzle: komplex, bunt und nicht immer einfach. Sie ist weniger politisches Instrument als Stütze zur Analyse unserer Gesellschaft. Sie erlaubt Aussagen zu den Möglichkeiten und Grenzen von Medien und ihren Macher:innen. Ziel ist die Verbesserung bestehender Verhältnisse, und die gehen uns alle an.