Vor der Wahl: RBB schickt Ehemann von Jarasch vorübergehend nach Brandenburg

Um den Anschein von Interessenkonflikten zu vermeiden, wird Oliver Jarasch während des Wahlkampfs in Potsdam arbeiten. Man handele „vorbeugend“, meint der RBB.

Bettina Jarasch geht für die Berliner Grünen als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf.
Bettina Jarasch geht für die Berliner Grünen als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf.Volkmar Otto

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) wird den Ehemann von Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) vorübergehend nach Potsdam versetzen. Das teilte der RBB mit. Demnach wird Oliver Jarasch sich „in den kommenden Wochen vorrangig konzeptionell um die Stärkung der Berichterstattungsstruktur in Brandenburg kümmern und für die Zeit des Wahlkampfs seinen Arbeitsplatz“ in die Hauptstadt des Bundeslandes verlegen.

Den Angaben zufolge trägt Jarasch seit zwei Jahren keine inhaltliche Verantwortung mehr für die Berichterstattung des RBB. Er arbeitet seit Jahren für den Sender und war unter anderem Leiter der Abteilung „Aktuelle Magazine“, zu denen auch die RBB-Nachrichtensendungen wie die „Abendschau“ gehören.

Die aktuelle Entscheidung sei getroffen worden, „um jeglichen Anschein zu vermeiden, dass die Spitzenkandidatur seiner Frau zu einer möglichen Interessenkollision mit Oliver Jaraschs Aufgaben führen könnte“. Darüber hinaus nehme Jarasch „in der heißen Wahlkampfphase ab Januar 2023“ Urlaub.

Bereits im vergangenen Januar hatte RBB-Chefredakteur David Biesinger betont, dass Jarasch nicht mehr inhaltlich für den Sender arbeite. Dies sei einvernehmlich Ende 2020 beschlossen worden, als Bettina Jarasch Spitzenkandidatin der Grünen für die Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses wurde.

RBB will Wahlergebnis abwarten

Im Januar hatte Biesinger gesagt, dass Jarasch „im Moment Organisationsprozesse übernimmt, unseren neuen Newsroom aufbaut“. In der aktuellen Pressemitteilung heißt es, er gestalte „die Ressourcen- und Innovationsprozesse und optimiert die Strukturen im Crossmedialen Newscenter“. Der neue Newsroom des RBB hat seine Arbeit mittlerweile aufgenommen.

Auf Nachfrage der Berliner Zeitung, ob Jarasch nach der Wahl im Februar wieder auf seinen Posten in Berlin zurückkehren soll, teilte der Sender mit, dass dies vom Wahlergebnis abhänge. Dazu ein Sprecher des RBB: „Bei einer ähnlichen Konstellation wie heute sehen wir keine Schwierigkeiten, dass er auch weiterhin für das Prozess- und Innovationsmanagement im gesamten Sendegebiet (also mit Berlin) zuständig ist.“ Die bereits Ende 2020 getroffene Veränderung habe sich bewährt und zu keinen „Kollisionen“ geführt.

RBB: Wir sind „vorbeugend“ tätig geworden

So gesehen bliebe dann wohl nur ein mögliches Wahlergebnis, das den Sender dazu bringen könnte, Jaraschs Rolle im Haus noch einmal grundsätzlich zu überdenken: wenn Bettina Jarasch neue Regierungschefin würde. Warum aber sah der Sender in der Vergangenheit keine Notwendigkeit, den Ehemann der Verkehrssenatorin in ein anderes Bundesland zu versetzen? Immerhin ist Bettina Jarasch nicht nur während des Wahlkampfs eine Berliner Spitzenpolitikerin.

„Wir sind hier nicht aus faktischen Gründen tätig geworden, sondern vorbeugend, die journalistische und parteipolitische Unabhängigkeit von Oliver Jarasch stand und steht außer Frage“, sagte der RBB-Sprecher der Berliner Zeitung. Ziel des Senders sei eine kritische und faire Berichterstattung über den Wahlkampf. „Wenn wir mit organisatorischen Mitteln dazu beitragen können, dass wir dabei nicht selbst in den Mittelpunkt rücken, tun wir das.“ So vermeide der RBB „auch in den einem Wahlkampf eigenen Phasen hoher Emotionalität jeden Anschein eines möglichen Interessenkonfliktes“.

Jarasch unter anderem für „Workflows“ zuständig

Was Jaraschs bisherige Zuständigkeit für „Ressourcen- und Innovationsprozesse“ beziehungsweise das „Prozess- und Innovationsmanagement“ betrifft, scheint sich die Arbeit des gelernten Journalisten weiterhin vor allem auf das Crossmediale Newscenter (CNC) zu beschränken. „Die Workflows im Team umzusetzen, die Raumbelegung und technische Infrastruktur zu überprüfen und schließlich auch die Organisation der Abläufe des neuen Nachrichtenstudios im CNC gehören beispielhaft zu seinen Aufgaben“, sagte der Sprecher.

Weiterhin sei im CNC auch das „Newslab“ integriert, in dem Format-Innovationen entwickelt würden. „Sie in der Pilotierung zu begleiten, gehört ebenfalls zum Arbeitsgebiet, ebenso die Begleitung neuer Produktionsformen wie beispielsweise die schnelle mobile Live-Berichterstattung mit Handytechnik.“ Während seiner voraussichtlich kurzen Zeit in Brandenburg soll Jarasch laut RBB dabei helfen, das Netz der Regional-Korrespondenten auszubauen und zu überprüfen, wie mehr regionale Inhalte auf verschiedenen Wegen ausgespielt werden können. „Dazu soll eine Konzeptskizze geben“, sagte der Sprecher.