Das Orkantief „Xaver“ wird Norddeutschland im Laufe des Nachmittags mit voller Wucht erreichen. Im Moment liege das Tief noch bei den Shetland-Inseln, sagte der Meteorologe Rüdiger Hartig am Donnerstagmorgen. Das Hauptwindfeld mit extremen Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern werde bis zum frühen Abend über den Norden hinwegziehen. Dann lasse der Wind etwas nach, es bleibe aber die ganze Nacht über stürmisch. So langsam durchziehende Stürme seien selten, aber nicht ungewöhnlich, sagte Hartig. Bei der Sturmflut 1962 habe der Sturm drei Tage lang getobt. Normalerweise liefen Stürme in sechs bis neun Stunden durch.

Die Vorbereitungen auf das Orkantief „Xaver“ sind im Norden Deutschlands mit Hochdruck angelaufen. Auf den besonders von Sturmfluten gefährdeten Halligen in der Nordsee stapelten Feuerwehrleute gemeinsam mit Anwohnern den gesamten Mittwoch über Sandsäcke, Tiere wurden in Sicherheit gebracht und alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde in Häuser und Scheunen gebracht.

Bei der Hamburger Feuerwehr sorgte man am Mittwoch dafür, dass am Donnerstag die Einsatzzentrale verstärkt wird. „Die Beamten sind rund um die Uhr erreichbar“, kündigte Sprecher Manfred Stahl für den heutigen Donnerstag an. Insgesamt könnten in Hamburg rund 400 Berufsfeuerwehrleute und etwa 2 500 freiwillige Feuerwehrleute zum Einsatz gerufen werden. In der Hansestadt werden außerdem alle U-Bahn-Strecken sowie Buslinien verstärkt, wie das Verkehrsunternehmen Hochbahn mitteilte. Außerdem soll es auch mehr Servicepersonal geben als an anderen Tagen. So wurden beispielsweise vier sogenannte „Baumtrupps“ zur Unterstützung der Einsatzkräfte in Bereitschaft versetzt. Sollten wie beim Orkan „Christian“ vor ein paar Wochen, umgestürzte Bäume den Verkehr behindern, könnten diese Trupps schnell zur Hilfe gerufen werden.

Die Weihnachtsmärkte in Bremen sollten am Donnerstag geschlossen bleiben. In Mecklenburg-Vorpommern warnte der Deutsche Wetterdienst die Betreiber, spätestens bis zum Donnerstagnachmittag sowohl Buden als auch Stände gesichert zu haben. Die Gefahr, dass herumfliegende Teile zu schweren Verletzungen führen, sei sehr hoch.

Das Orkantief „Xaver“ lässt auch Berlin und Brandenburg nicht ungeschoren. Starke Sturmböen mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde fegen von Donnerstagnachmittag bis Freitag über die Hauptstadt und das Umland. „Wir werden auch vom Sturmfeld erfasst“, sagte Thomas Endrulat vom Deutschen Wetterdienst am Mittwoch in Potsdam. Dabei seien auch orkanartige Böen mit bis zu 115 Stundenkilometern und Windstärke 11 nicht ausgeschlossen. Schwere Regenschauer und teilweise auch Schneeregen begleiten den Sturm.

Im Norden Brandenburgs ist der Wind heftiger als in südlichen Landesteilen, weil das Zentrum des Sturms noch weiter nördlich über Skandinavien liegt. Der Höhepunkt ist am Donnerstagabend, aber auch am Freitag ist es weiterhin extrem windig bis stürmisch. Begleitet wird der Orkan von einem kurzen Wintereinbruch mit niedrigen Temperaturen.

Wie gefährlich der Sturm für Menschen und Gebäude wird, sei schwer zu sagen, meinte Endrulat. „Es wird auf jeden Fall recht ruppig.“ Auf den Weihnachtsmärkten sollten Stände, Buden und Dekoration möglichst gesichert und befestigt werden. Gerade in den Straßenzügen und zwischen Häusern könnte sich der Wind durch Verwirbelungen noch verstärken.

Auch die Deutsche Bahn hat sich auf „Xaver“ eingestellt. So wurde das Angebot des Sylt Shuttle eingeschränkt. Zudem seien zahlreiche Mitarbeiter in Bereitschaft, 64 Schneeräumfahrzeuge sowie 37 Abtauanlagen für Züge seien bundesweit einsatzbereit, teilte die Bahn am Mittwoch mit. Bereitschaftsdienste zum Räumen von Bahnsteigen und Gleisen sowie zur Reparatur von Oberleitungen seien ebenfalls mobilisiert, so die Bahn. Für die Information der Reisenden seien an Bahnhöfen und Telefonen zusätzliche Mitarbeiter eingeplant. Weitere Zugbegleiter und Lokführer halten sich demnach ebenfalls bereit. Falls Oberleitungen vereisen, sollen laut Bahn Dieselloks als Ersatz fahren. Auch der eventuell nötige Einsatz von Ersatzbussen werde vorbereitet.

Freuen können sich allerdings so manche Schüler: Im Norden und Westen Schleswig-Holsteins sowie in Ostholstein fällt am Donnerstag und Freitag die Schule aus. (dpa/BLZ)