Aus der Touristeninsel White Island ist nach dem Ausbruch von Neuseelands gefährlichstem Vulkan eine Todeszone geworden.
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WhakatanePaula Summer lebt seit mehr als zehn Jahren in Whakatane, aber auf White Island, der Insel am Horizont, war sie nie. Sie blickt auf die weißen Dampfwolken, die der 48 Kilometer entfernte Vulkan ausspuckt, und erzählt von den Folgen der Tragödie, dieser fatalen Eruption am Montagnachmittag, die nach derzeitigem Stand mindestens sechs Menschen das Leben kostete: „Die Hubschrauber fliegen noch immer pausenlos über die Stadt, am Montag rasten Krankenwagen und Polizeifahrzeuge mit Sirenengeheul nonstop durch die Straßen.“

Am Kai von Whakatane auf der Nordinsel Neuseelands legen Menschen im Gedenken an die Opfer des Vulkanausbruchs Blumen nieder.
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Vulkanausbruch: Vier Deutsche unter den Verletzten

Die Helikopter haben die Schwerverletzten, die fürchterliche Verbrennungen erlitten, als der höchst aktive Meeresvulkan heiße Asche, Felsbrocken und giftige Schwefelgase in die Luft schleuderte, vom örtlichen Krankenhaus in sieben Spezialkliniken im ganzen Land transportiert. Mit an Bord sind Blutkonserven, Notärzte, Sanitäter, Rettungspersonal und Pathologen, die die Aufgabe haben, die Toten zu identifizieren.

Doch noch immer ist das Risiko einer weiteren Eruption zu hoch und die Bedingungen auf der Insel zu gefährlich, um Suchtrupps in den Hauptkrater des grollenden Vulkans zu schicken. Vermutet wird, dass in der Nähe des Kraters noch die Leichen von acht Vermissten liegen, die am Montag von dem Ausbruch überrascht wurden. Damit würde sich die Zahl der Todesopfer auf 14 erhöhen. Zu Berichten, wonach auch ein deutsches Ehepaar noch vermisst werde, hieß es vom Auswärtigen Amt: „Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen Deutsche zu Tode gekommen sind.“

White Island vor dem Vulkanausbruch.
Foto: Satellite Image Maxar Technologie

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs befanden sich jüngsten Angaben zufolge 47 Personen in zwei Tourgruppen auf White Island – unter anderem aus Australien, China, den USA und Großbritannien. 33 Verletzte, einige in akuter Lebensgefahr, wurden in Krankenhäuser eingeliefert. Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass vier Deutsche unter den Verletzten sind.

Australiens Premierminister Scott Morrison, der mit seiner neuseeländischen Amtskollegin Jacinda Ardern in Dauerkontakt steht, bestätigte, drei Todesopfer seien Australier, 13 Landsleute lägen verletzt in Kliniken. Viele seien Passagiere des Kreuzfahrtschiffs Ovation of the Seas gewesen, das am 4. Dezember in Sydney zu einer Neuseeland-Rundreise abgelegt hatte.

In einem Gespräch mit dem New Zealand Herald erzählte Geoff Hopkins vom Horror, dem auch die Helfer nach dem Ausbruch ausgesetzt waren. Der 50-Jährige befand sich auf einem Ausflugsboot, das schon abfahrbereit gewesen war, als sich die Katastrophe ereignete.

Premierministerin Jacinda Ardern dankte den Ersthelfern in Whakatane.
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Schlauchboote mit Überlebenden seien abgesetzt worden, alle hätten entsetzliche Brandwunden gehabt, im Gesicht, am ganzen Körper, unter der Kleidung. Ein Paar, um das er sich als Ersthelfer gekümmert hatte, habe mehrfach das Bewusstsein verloren. „Ich habe nie zuvor in meinem Leben so große Brandblasen gesehen“, erzählte Hopkins. Es war das furchtbare Ende eines Ausflugs, den ihm seine Tochter, eine Geologiestudentin, zum Geburtstag geschenkt hatte.

Vulkan auf auf White Island ist unberechenbar und hyperaktiv

Premierministerin Ardern verlangte am Dienstag im Parlament Antworten auf ernste Fragen und meinte damit die Entscheidung des Unternehmens White Island Tours, trotz der Warnung des nationalen Instituts für Geologie- und Nuklearwissenschaften vor erhöhter Aktivität Urlauber durch den aktivsten Vulkan Neuseelands zu führen.

So bezeichnete der Geowissenschaftler Ray Cas von der Monash-Universität in Melbourne solche Touren als äußerst fragwürdig: „Dieser Vulkan ist völlig unberechenbar und hyperaktiv. Ich war zwei Mal dort und dachte immer, dass es zu gefährlich ist, dort täglich Gruppen abzusetzen. Diese Katastrophe musste irgendwann passieren.“

White Island Tours hatte nach dem Ausbruch erklärt, Sicherheitsvorschriften ernstgenommen zu haben. Am Montag habe Warnstufe 2 gegolten, die vor mäßiger bis erhöhter Vulkanaktivität warne, so Firmenchef Paul Quinn. Die neuseeländische Polizei hat am Dienstag Ermittlungen zum Hergang der Katastrophe eingeleitet.