Luftaufnahme der Vulkaninsel White Island mit aufsteigendem Dampf aus dem Krater.
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WellingtonBei dem Vulkanausbruch am Montag in Neuseeland sind vermutlich deutsche Touristen verletzt worden. „Wir müssen davon ausgehen, dass Deutsche unter den Verletzten sind“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin am Nachmittag auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit habe man keine Erkenntnisse, dass sich Deutsche auch unter den Toten befänden. 

Der Vulkan auf der neuseeländischen Insel White Island brach gegen 14.11 Ortszeit (2.11 Uhr MEZ) aus. Möglicherweise zwei Dutzend Menschen kamen nach Angaben der Polizei bei der Eruption ums Leben. Bis zum Abend wurden fünf Tote geborgen. Auch 18 Verletzte haben man bergen können, hieß es. 

Keine Hoffnung mehr auf Überlebende

Mit Flugzeugen und Hubschraubern wurde bis in den späten Abend aus der Luft nach Überlebenden gesucht. Nach Einbruch der Dunkelheit musste die Suche jedoch unterbrochen werden. Ein Polizeisprecher sagte: „An keinem Ort sind Lebenszeichen gesichtet worden. Auf Grundlage der vorliegenden Informationen glauben wir nicht, dass sich auf der Insel noch Überlebende befinden.“

White Island liegt im Nordosten von Neuseelands Nordinsel, etwa 50 Kilometer von der Küste entfernt. Selbst von dort war die riesige Aschewolke zu sehen. Mehrere Unternehmen bieten von der Küste aus Tagestouren nach White Island mit dem Boot an. Pro Jahr wird die Insel von 10.000 Ausflüglern besucht. Die Touren, die mit einem Blick ins Innere der Erde werben, sind sehr beliebt.

Ob Deutsche unter den Opfern sind, ist unklar

Ob Deutsche unter den Opfern sind, war unklar. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, man bemühe sich „mit Hochdruck“ um Aufklärung. In Neuseeland halten sich derzeit recht viele Urlauber aus Deutschland auf, die dem Winter entkommen wollen. Auf der anderen Seite der Erdkugel wird es gerade Sommer. Unter den Besuchern sollen mindestens 20 Australier gewesen sein. Bis zum Abend wurde nur die Nationalität eines Todesopfers bestätigt - der Mann kommt aus Neuseeland.

Bei Neuseelands Ureinwohnern, den Maori, heißt der Vulkan Te Puia O Whakaari. Das bedeutet: „Der dramatische Vulkan“. Die Insel ragt etwa 320 Meter in die Höhe. Der weitaus größte Teil des Vulkans ist unter Wasser. Der letzte größere Ausbruch war 2016. Damals wurde niemand verletzt. In den vergangenen Wochen wurde bemerkt, dass der Vulkan wieder aktiver wurde. Dies führte aber nicht zu, dass die Touren verboten wurden. Das Betreten ist grundsätzlich nur im Beisein von Führern erlaubt.

Die Insel befindet sich in Privatbesitz. Der US-Amerikaner Michael Schade, der White Island gerade verlassen hatte, filmte den Ausbruch vom Boot aus mit seinem Handy. Zu sehen ist, wie die Aschewolke viele Hundert Meter hoch in den Himmel steigt. Schaper sagte: „Ich war einfach nur geschockt. Dann hat das Boot kehrtgemacht, und wir haben einige Leute aufgenommen, die an der Pier standen.“ An der Küste ließ sich Premierministerin Jacinda Ardern über den Stand der Suche informieren. Auf die Frage nach weiteren möglichen Todesopfern sagte sie: „Wir haben derzeit noch keine volle Klarheit. Wir wollen jetzt nicht spekulieren.“

Viele Ausflügler von Kreuzfahrtschiff

Mehr als 30 der Ausflügler kamen von einem Kreuzfahrtschiff, der „Ovation Of The Seas“, die nun vor Neuseelands Nordinsel auf Anker liegt. Die „Weiße Insel“ wurde 1769 von dem britischen Seefahrer James Cook entdeckt, der ihr auch den Namen gab. Grund dafür war, dass White Island ständig in einer Wolke von weißem Dampf und Rauch erschien. Cook ahnte jedoch offenbar nicht, dass sich dahinter ein Vulkan verbirgt.

Neuseeland liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Auch Erdbeben sind dort keine Seltenheit. Der Vulkanologe Thomas Walter vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) sagte der dpa: „Auf White Island kann man mit wenig Geld und Aufwand einen aktiven Vulkan besuchen. Man kommt direkt mit dem Boot auf die Insel, das ist verlockend.“ Das Risiko sei jedoch offensichtlich unterschätzt worden. „Ich glaube, man wird diese Art von Reisen dort nicht mehr anbieten können“, sagte Walter.