Waffen für Opposition: London denkt über Syrien-Alleingang nach

Die britische Regierung will sich notfalls über ein Ausfuhrverbot der EU hinwegsetzen, um die syrische Opposition mit Waffen auszustatten. "Wir sind immer noch ein unabhängiges Land", sagte Premierminister David Cameron vor einem Parlamentsausschuss in London. "Wir können eine unabhängige Außenpolitik haben." Er hoffe aber immer noch, dass die anderen EU-Länder das Waffenembargo für Syrien aufheben würden, wenn sie im Mai über das Thema beraten. "Aber wenn das nicht gelingt, kann es sein, dass wir auf unsere Weise handeln müsen. Das ist möglich."

Cameron sagte, es sei wichtig, die Oppositionsgruppen zu stützen, die für Pluralismus und Demokratie einträten. "Das ist aber schwierig, wenn man ihnen nichts liefert, das ihnen bei ihrer Arbeit helfen kann." Während die Welt zugeschaut habe, seien in Syrien nicht nur 70.000 Menschen ermordet worden, sondern sei auch der Einfluss der radikalen islamischen Kämpfer Islamisten in der Opposition gewachsen.

Bisher dürfen die europäischen Staaten nur militärische Ausrüstung nach Syrien liefern, die nicht zum Töten geeignet ist. Eine entsprechende Lockerung des Embargos hatte die EU auf britischen Drängen hin vor zwei Wochen beschlossen. Mittlerweile hat Cameron die erste Lieferung nicht-tödlicher Ausrüstung im Wert von 9,4 Millionen Pfund bereits genehmigt. Unter anderem sollen die syrischen Oppositionsführer gepanzerte Fahrzeugen und Schutzwesten erhalten.

Zwei Millionen Kinder in Not

Die britische Organisation Save the Children beklagte unterdessen, dass immer mehr Kinder in die Kampfhandlungen in Syrien hineingezogen würden. Regierungs- und Oppositionstruppen würden Kinder als Wächter, Träger, Informanten, Kämpfer und in manchen Fällen sogar als menschliche Schutzschilde einsetzen. Zwei Millionen Kinder in Syrien seien zu Opfern des Bürgerkriegs geworden. Viele seien traumatisiert, unterernährt und krank. Jedes dritte Kind berichte, dass es schon einmal von Soldaten geschlagen, getreten oder sogar angeschossen worden sei.

Am Montag hatte auch das Kinderhilfswerk Unicef auf das Leiden der Kinder in Syrien hingewiesen. Mit jedem Tag des Bürgerkriegs steige das Risiko einer "verlorenen Generation". Zur Versorgung von Frauen und Kindern in Syrien selbst sowie in den Flüchtlingslagern in den Nachbarländern würden bis Ende Juni 195 Millionen Dollar gebraucht. Von dieser Summe habe die internationale Gemeinschaft erst zwanzig Prozent zur Verfügung gestellt.