Berlin - Pünktlich um 12 Uhr mittags kommen am Sonntag im Plenarsaal des Berliner Reichstagsgebäude die 1260 Wahlmänner und -frauen zusammen, um einen neuen Bundespräsidenten zu wählen. Das dürfte einigermaßen schnell gehen: Bekommt der Kandidat der großen Koalition, Frank-Walter Steinmeier (SPD), gleich im ersten Wahlgang wie erwartet die erforderliche Mehrheit, ist die 16. Bundesversammlung voraussichtlich um 15 Uhr zu Ende.

Der Tag der Präsidentenwahl beginnt um 9 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Hedwigs-Kathedrale in Berlin. Um 11 Uhr treffen sich noch einmal die Fraktionen. Auch FDP, Piraten, AfD und Freie Wähler bekommen dafür Tagungsräume im Bundestag.

Keine Reden der Bewerber

Eröffnet wird die Bundesversammlung um 12 Uhr von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Er erläutert den Wahlleuten - 630 Bundestagsabgeordnete und ebenso viele Landesvertreter, darunter etwa auch Kabarettistin Carolin Kebekus, Satiriker Martin Sonneborn, Schauspielerin Veronica Ferres und Kabarettist Hape kerkeling - das Verfahren und nennt die fünf Bewerber: Dies sind neben dem ehemaligen Außenminister Steinmeier der von den Linken nominierte Armutsforscher Christoph Butterwegge, der frühere Kommunalpolitiker Albrecht Glaser für die AfD, der Jurist und TV-Richter Alexander Hold, den die Freien Wähler aufgestellt haben, sowie Engelbert Sonneborn für die Piraten.

Die Wahl beginnt dann ohne Aussprache, es gibt also keine Bewerbungsreden. Die Wahlleute werden in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen und müssen zu den Wahlkabinen gehen. An den Ausgabetischen erhalten sie gegen Vorlage der zuvor ausgegebenen Wahlausweise ihren Wahlschein, den sie in der Kabine ausfüllen, in einen Umschlag stecken und in die Urne werfen.

Absolute Mehrheit der Stimmen erforderlich

Erst wenn alle Stimmen abgeben worden sind, beginnen die Schriftführer mit der Auszählung. Bei der Wiederwahl von Bundespräsident Horst Köhler im Mai 2009 passierte hier eine Panne: Das Ergebnis wurde aus dem Kreis der Zählkommission heraus über den Kurzmitteilungsdienst Twitter verbreitet, bevor es Lammert offiziell verkündete.

Im ersten Wahlgang ist gewählt, wer die absolute Mehrheit der Stimmen erreicht - also 631. Es gibt kaum einen Zweifel daran, dass Steinmeier das schaffen wird. Denn die ihn unterstützenden Parteien verfügen zusammen über mehr als 900 Stimmen in der Bundesversammlung. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs dürfte gegen 14 Uhr feststehen.

Der Wahlsieger - also voraussichtlich Steinmeier - muss dann die Wahl noch annehmen. Er darf anschließend eine kurze Ansprache halten. Das Schlusswort bleibt aber Lammert als Sitzungsleiter vorbehalten. Zum Ende der Bundesversammlung wird - voraussichtlich gegen 15 Uhr - die Nationalhymne erklingen. Sein Amt als Bundespräsident tritt das neu gewählte Staatsoberhaupt am 19. März an. (afp)