Brüssel - Noch haben die Niederlande nicht gewählt. Aber schon geht die Angst um. „Wird Europa den neuen Populismus überstehen?“, fragt „Time-Magazine“ auf seinem Cover. Die Info-Portal „Politico“ poltert: „Wie Wilders mit Trump die Weltordnung erschüttern will“. Und die New York Times warnt: „Provokateur dominiert die holländischen Wahlen“. Es geht um den Rechtspopulisten Geert Wilders, seinen drohenden Erfolg bei den Wahlen am 15. März und um die Zukunft Europas. „Wilders will Moscheen schließen und den Koran verbieten. Das steht im Gegensatz zu den liberalen Grundrechten", warnt Sarah de Lange, Populismusexpertin an der Universität Antwerpen.

Brexit, Trump, Wilders, Le Pen - viele fürchten eine Welle von rechts. Vor allem medial dominiert Wilders die Berichterstattung. Gerade im Ausland. Sarah de Lange gibt keine Entwarnung, merkt aber an. „Wir haben eine ziemlich gute Einschätzung auf der Basis von Umfragen. Dabei scheint es, als ob Wilders Freiheitspartei PVV zuletzt in der Wählergunst sinkt.“ Und, wenn er aber kommt, der Wahlerfolg des Rechtspopulisten? Dann lässt sich sagen: Wilders ist ein Scheinriese. Hollands Parteiensystem ist zersplittert, Wilders‘ Freiheitspartei PVV kommt in Umfragen gut zwanzig Sitze. Weit entfernt von einer Mehrheit im niederländischen Parlament mit seinen 150 Mandaten.

In Deutschland schwächelt die AfD

Der rechte Populismus ist keine Naturgewalt. In Frankreich gibt es immerhin eine zweite Wahlrunde, um FN-Frontfrau Marine Le Pen zu verhindern und der Anteil der Franzosen, die Le Pen in Umfragen als Gefahr für die Demokratie erachten steigt. In Deutschland schwächelt die AfD. Offen, ob aus Ernüchterung über Donald Trumps Regierungsstil. Oder, weil andere nicht nur mit Ausrufezeichen und Empörung auf die neue Rechte reagieren, sondern die (sozialpolitische) Ängste der Rechten-Wähler ernst nehmen, wie SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz und seine Agenda-Ausbügeleien zeigen. Manche haben verstanden! Die klassische Sozialpolitik ist zurück.

Anti-Islamismus statt Antisemitismus

Gewonnen ist damit aber nichts. Denn das sozioökonomische Motiv des Globalisierungsverlierers sinkt bei den rechten Wahlmotiven. „Heute spielt der kulturelle Aspekt eine viel größere Rolle", so Sarah de Lange in einem bemerkenswerten Interview in der Zeitung De Morgen. Wilders hat das früh entdeckt und eine neue Agenda für die neue Rechte entworfen. Den Anti-Semitismus der alten Rechten ersetzte er durch Anti-Islamismus. Er stritt vorgeblich für Freiheitsrechte im Islam und meinte doch die Zuwanderer. Es gehe heute weniger „um Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt und in der Schule, sondern um Identität, Religion, Normen und Werte“, so De Lange.