Magdeburg - Als Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Wahlabend vor die Mikrofone trat, wirkte er gelöst. Wochenlang waren ihm und seiner Partei ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD prognostiziert worden – manche sahen die Partei sogar vor der CDU. Haseloff distanzierte sich immer wieder von der AfD und erteilte möglichen Koalitionen eine klare Absage. Am Sonntag zeigten die Hochrechnungen, dass die Prognosen nur Schreckgespenste waren. 

Die CDU bleibt weiterhin stärkste Kraft in dem kleinen Bundesland – und für Haseloff (67) ist das der beste Wahlerfolg in seiner 30-jährigen politischen Laufbahn und seine dritte Amtszeit als Landesvater.  Für ihn selbst sei es eine „Glaubwürdigkeitswahl“ gewesen, sagte der CDU-Politiker am Wahlabend. Einmal habe er einen Amtsbonus gehabt, außerdem hätten die Wähler ein eindeutiges Ziel gesetzt, sich von rechts abzugrenzen. Haseloff sagte: „Ich bin dankbar, dass das so gelaufen ist. Auch, weil es ein Zeichen nach außen ist.“ Die klare Niederlage der AfD gegen die CDU sei gut für „das Image“ des Bundeslandes. Und auch die Bundes-Partei wirkte entspannter nach der Landtagswahl. Ein schlechtes CDU-Ergebnis in Sachsen-Anhalt hätte dem Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet im Bundestagswahlkampf nicht gerade geholfen. 

Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus freute sich am Wahlabend: „Das ist ein großer Sieg für Reiner Haseloff und auch für die Wahlkämpfer – und natürlich bringt uns das auch Rückenwind für Berlin.“ Daher sei dies auch ein Erfolg für Armin Laschet. „Sensationell“ sei es, was Haseloff bei der Landtagswahl geschafft habe, sagte auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. In einem schwierigen politischen Umfeld führte Haseloff seine CDU zu einem klaren Sieg - dermaßen starke Zuwächse bei einer Landtagswahl hatte die CDU zuletzt 2017 in Nordrhein-Westfalen verzeichnet.

Haseloff hat nun in seinem Bundesland, in dem am Sonntag 1,8 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen waren, die freie Partnerwahl. Seit fünf Jahren regiert die CDU Deutschlands erste Kenia-Koalition – gemeinsam mit der SPD und den Grünen. Ein oftmals spannungsgeladenes Bündnis, wie der erbitterte Streit um die Anhebung der Rundfunkgebühren im Herbst zeigte. Neben der Kenia-Koalition ist Haseloff aber auch offen für eine Zusammenarbeit mit der FDP. So könnte es eine Deutschland-Koalition aus Union, SPD und FDP geben - oder Jamaika, also CDU, Grüne und FDP. Für Ostdeutschland wäre dies eine Premiere. Ausgeschlossen hat Haseloff nur eine Zusammenarbeit neben der AfD und mit der Linken. Es werde ergebnisoffen sondiert, kündigte Haseloff an.

Während die CDU triumphierte, erlebten andere Parteien heftige Niederlagen. Die SPD blieb den Hochrechnungen nach nur noch einstellig. 10,6 Prozent war bereits das niederschmetternde Ergebnis der Partei 2016, die immerhin in den 90er Jahren mit Reinhard Höppner mal den Ministerpräsidenten stellte. Die SPD machte am Wahlabend die starke Polarisierung zwischen CDU und AfD für ihr schlechtes Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verantwortlich. „Ich glaube, wir sind schlicht und ergreifend in einen Windschatten gekommen“, sagte der Bundesvorsitzende Norbert Walter-Borjans. In dieser Lage hätten viele Menschen mit Ministerpräsident Haseloff  „das bekannte Gesicht gewählt“. Die anderen Parteien hätten dagegen „extreme Probleme“ gehabt.

Und auch die Linkspartei verlor erneut an Stimmen. Bevor die AfD 2016 kam, hatte sie in dem Bundesland immer einen stabil hohen Stimmenanteil von über 20 Prozent. 2016 erhielt sie gerade 16,3 Prozent der Wählerstimmen. Linken-Bundesparteichefin ‎Susanne Hennig-Wellsow bedauerte das Ergebnis und zeigte sich besorgt über das starke Gesamtergebnis von CDU und AfD in Sachsen-Anhalt. Dies sei ein Zeichen für eine „rechte Gesellschaft in Sachsen-Anhalt“.  Bitter war ebenso das Ergebnis für die Grünen, sie erzielten nur leichte Gewinne. 

Dafür schaffte es die FDP wieder in den Landtag - nach zehn Jahren außerparlamentarischer Opposition. Bundesparteichef Christian Lindner freute sich darüber, dass „im Heimatland von Hans-Dietrich Genscher“ wieder eine liberale Fraktion in den Landtag einzieht.