Bürgerrechtlerin Zuzana Caputova 2019 bei ihrer Wahl zur ersten Präsidentin der Slowakei - der Weg zu einem normalen EU-Land bleibt allerdings steinig. 
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Nur etwa jeder hundertste EU-Bürger lebt in der Slowakei. Was also geht uns dieses kleine Land an, in dem am Sonnabend gewählt wird? Zu Zeiten von Helmut Kohl und François Mitterrand wäre eine solche Frage kaum je gestellt worden, etwa mit Blick auf das ähnlich kleine Dänemark. Die Staatenlenker der größten Länder Europas wussten, dass ein geeinter Kontinent niemals als Dominanzprojekt funktionieren kann.

Der Gedanke war gut, ist aber in Misskredit geraten, seit die alte EU auf mehr als 20 Staaten angewachsen ist. Aktuell gibt es 27 Mitglieder, und jedes einzelne hat sein Vetorecht. Das ermöglicht es autoritären Regierungschefs wie dem ungarischen Premier Viktor Orban, ihre illiberale Ideologie mitten in der EU auszuleben. In diesem Kontext nun fällt der Slowakei eine Schlüsselrolle zu. Die kleine Republik könnte beim Kampf gegen Populismus und Nationalismus im Osten Europas eine Vorreiterrolle übernehmen.

Die Slowakei will in die EU, doch der Weg bleibt steinig

Seit dem Mord an dem Journalisten Jan Kuciak vor zwei Jahren ist die slowakische Gesellschaft in Aufruhr. Regierungschef Robert Fico musste weichen. Die Bürgerrechtlerin Zuzana Caputova wurde Präsidentin. Die Menschen in der Slowakei wollten, dass ihr Land endlich ein möglichst normales EU-Land wird. Der Weg dorthin bleibt allerdings steinig.

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Das Parteiensystem ist so stark zersplittert, dass es nach der Wahl schwer werden dürfte, eine stabile Regierung zu bilden. Das große Lager der Mitte-Parteien kann auf die Unterstützung von zwei Dritteln der Bevölkerung zählen. Doch sie müssen zusammenfinden, damit nicht wieder die Ränder profitieren. Es ist an den liberalen Kräften, Handlungsfähigkeit zu zeigen.