Berlin - Von der Kanzlerin gibt es öffentlich kein Wort zu dem Thema. Und trotzdem ist angeblich nun Gewissheit da: Angela Merkel will bei der nächsten Bundestagswahl 2017 erneut als Kanzlerkandidatin antreten, für eine vierte Amtszeit dann. Das berichtet zumindest der „Spiegel“. Die dazu gelieferte Faktenlage ist allerdings dünn.

Merkel, so heißt es, habe sich mit CDU-Generalsekretär Peter Tauber und Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler getroffen, um den Bundestagswahlkampf 2017 vorzubesprechen. Das ist allerdings nur das, was sie als Parteichefin auch tun sollte – selbst wenn sie nicht mehr antreten wollte. Wahlkämpfe haben einen langen Vorlauf, Hallen müssen gebucht, Personal angeheuert werden. Merkel, Tauber und Schüler entschieden zunächst, den Wahlkampf aus der Parteizentrale zu machen wie in den vergangenen Jahren auch. Das geht mit und ohne Merkel-Plakate.

Von höherer Beweiskraft in der Kandidatenfrage ist Horst Seehofer. Der CSU-Chef hat zwar seinen eigenen Rückzug aus der Politik angekündigt. Merkel will er das allerdings nicht gönnen: Schon seit Monaten erklärt er wiederholt, sie sei die ideale Kandidatin für die nächste Bundestagswahl. Vielleicht ist das übergriffig. Nicht ganz unwahrscheinlich ist aber, dass Seehofer in eine Forderung gießt, was Merkel ihm bereits gesagt hat. So dass man, wenn sie es dann allen sagt, bewundernd feststellen kann: Die mächtigste Frau der Welt hört auf den weisen Rat aus München.

Nicht als „halbtotes Wrack“ aussteigen

Und dann ist da Merkel selbst. Zu Beginn ihrer Politikkarriere hat sie gesagt, sie wolle kein „halbtotes Wrack“ sein, wenn sie aus der Politik aussteige. Der Job ist interessant, aber auch aufreibend. Sie hat das Beispiel von Helmut Kohl vor Augen, der so lange regiert hat, bis nicht nur die Wähler, sondern auch seine Partei seiner überdrüssig wurde. 16 Jahre waren es bei Kohl, 14 bei Konrad Adenauer, beide gefühlt ewige Kanzler. Merkel hat bis zur nächsten Wahl zwölf Amtsjahre hinter sich gebracht. Sie wird dann 63 Jahre alt sein. Ihren SPD-Vorgänger Gerhard Schröder hat sie schon vor anderthalb Jahren überrundet.

Die Frage nach einer erneuten Kandidatur hat sie bislang mit den Worten beschieden, sie werde „zum gegebenen Zeitpunkt“ darüber entscheiden. Wen vertragen die Krisen von Griechenland bis zur Ukraine? Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Kanzleramtsminister Peter Altmaier, Innenminister Thomas de Maizière? Und wer hält die guten Umfragewerte der CDU, die laut Emnid zur Zeit mit 43 Prozent auf eine absolute Mehrheit kommt? Es sind Umfragewerte, die manche in der SPD schon dazu bringen, laut über den Sinn eines eigenen Kanzlerkandidaten nachzudenken.

„Solange ich nicht fertig gedacht habe, kann ich nicht entscheiden“, hat Merkel einmal gesagt. Die Empfehlung Seehofers, die absolute Mehrheit als Wahlziel auszugeben, will sie angeblich nicht folgen. Auch das wird nur spekuliert – aber mit Blick auf Merkels bedächtige Art vermutlich zu Recht.

Die Kanzlerin wandert derzeit erst einmal in Südtirol. Ist ja noch Zeit bis zur Wahl.