Wie schwer Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade in der Euro-Politik für ihre politische Gegner zu fassen ist, hat sie in dieser Woche wieder eindrucksvoll bewiesen. Plötzlich kritisierte sie das Engagement der Europäischen Zentralbank für die Krisenländer, das sie vor wenigen Monaten noch verteidigt hatte. Mithin steht sie in der Öffentlichkeit für beide Positionen.

Diese erstaunliche Flexibilität Merkels macht es SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nicht leicht, eine echte Gegenposition zu entwickeln. Die ewigen Vorwürfe der Opposition, Merkel habe immer wieder ihre Positionen über den Haufen geworfen und sei viel zu spät zu einer konstruktiven Haltung gelangt, treffen zwar zu.

In den Ohren der meisten aber klingen diese Beschwerden mittlerweile wie Nörgelei, die keiner mehr hören mag. Steinbrück versucht es nun mit einer inhaltlichen Alternative, die sehr traditionelle sozialdemokratische Züge trägt. Er setzt auf eine Stärkung der Kaufkraft durch höhere Löhne und höhere staatliche Investitionen. Dabei hilft ihm nicht gerade, dass man dies von ihm, dem früheren Finanzminister, auch schon anders gehört hat.

Es wird schwer sein, gegen den populären Euro-Kurs der Kanzlerin zu punkten. Dennoch kann es nicht schaden, wenn der Wahlkampf nicht ausspart, was als zentrales Thema der zweiten Regierungszeit Merkels in Erinnerung bleiben wird.