Berlin - Die Berliner U-Bahn gehört zu den Ikonen Berlins. Die gelben Züge sind ein Markenzeichen der Stadt - so wie es der Fernsehturm ist, die Philharmonie oder das Brandenburger Tor. In den vergangenen Jahren sind pro Jahr stets mehr als eine Milliarde Fahrgäste im Berliner Untergrund gezählt worden, erst Corona dürfte das stete Wachstum gestoppt haben. Viele Berliner lieben ihre U-Bahn, auch wenn sie ab und an ähnlich großstädtisch-struppig daherkommt wie der Rest der Stadt. Noch viel mehr nutzen sie einfach Tag für Tag. Ganz selbstverständlich.

Jedes Verkehrsmittel hat seine speziellen Vor- und Nachteile. Die beiden Regierungsparteien Linke und Grüne halten die U-Bahn nicht für die generelle Lösung der Verkehrsprobleme der Zukunft. Sie sei teuer und ihr Ausbau dauere lange. Zudem sei für die Anbindung einzelner Kieze die Straßenbahn oft besser geeignet. Deswegen taucht der Ausbau des U-Bahnnetzes auch nicht im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag von Ende 2016 auf - der größte Koalitionspartner, die SPD, musste das akzeptieren.

Nun aber gibt es doch noch ein rot-rot-grünes Ausbausignal: Die U7 soll an ihrem südöstlichen Ende zum BER und am nordwestlichen Ende in Spandau verlängert werden. Außerdem soll die Linie U3 in Zehlendorf um eine Station wachsen, um an das S-Bahnnetz anzudocken. Gleichzeitig sollen teils seit Jahrzehnten existierende Ausbaupläne der U8 zum Märkischen Viertel und der U6 zum geplanten Technologiepark am ehemaligen Flughafen Tegel entfallen. Der U2-Ausbau in Pankow ist weiterhin auf die lange Bank geschoben. Populär ist das alles nicht.

Doch im Herbst wird das Abgeordnetenhaus gewählt, und der U-Bahnausbau ist längst Wahlkampfthema. Die SPD nutzt es jedenfalls bewusst, um sich einmal mehr deutlich von Linken und Grünen abzusetzen und sich stärker zu profilieren. Mal sehen, wozu das in den kommenden Monaten noch führen wird.