Köln - Die unabhängige Journalistenvereinigung Correctiv hat am Tag nach der Bundestagswahl eine Übersicht zum Einsatz von Fake News im Wahlkampf veröffentlicht. In den vier Wochen vor der Wahl am Sonntag hatte ein Team von Journalisten verschiedene Internet-Kuriositäten auf ihren sachlichen Gehalt hin überprüft und Falschmeldungen entlarvt. 

Der sogenannte „WahlCheck17“ beschäftigte sich mit verschiedensten Geschichten. Von angeblich ausbleibenden Besuchern beim Oktoberfest bis zu dubiosen Videos von vermummten Gestalten auf Facebook kam den Journalisten einiges auf den Tisch.

Große Negativ-Kampagne der AfD gegen Merkel

Bereits im Fokus vieler Medien war unter anderem die Webseite merkeldieeidbrecherin.de, die im Vorfeld der Wahl prominent auf der AfD-Webseite und auf den Social-Media-Kanälen der Partei beworben wurde. Das 18-köpfige Team untersuchte die Internetseite mit dem selbsterklärenden Namen nebst anderen. 

Dort zu finden ist eine Negativ-Kampagne gegen die Kanzlerin, die zeigen soll, dass ihre Flüchtlingspolitik und der Umgang mit den Zugewanderten den Straftatbestand des Eidbruchs erfülle.

Gerade im Zusammenhang mit den, für die AfD wichtigen, Themen hörte man solche Vorwürfe im Laufe des Wahlkampfes desöfteren. Spitzenkandidatin Alice Weidel etwa griff das Motiv der Seite auf und drohte mit einer Klage gegen Merkel und ihre Flüchtlingspolitik.

Unterstützung aus den USA

Dass das Vorgehen der AfD gegen die Bundeskanzlerin an die Strategie Donald Trumps gegen Hillary Clinton erinnerte, ist kein Zufall. Denn, so Correctiv, die Partei hatte sich für den Wahlkampf Unterstützung der amerikanischen Agentur Harris Media geholt, die das Wahlkampfteam des US-Präsidenten beraten hatte. Die Domain, über die merkeldieeidbrecherin.de angemeldet ist, gehört in der Tat zu der von Vincent Harris gegründeten Agentur. 

Harris, ein amerikanischer Rechtspopulist, kümmert sich mittlerweile weltweit um die Internet-Kampagnen von „rechten Populisten“, so Correctiv. Neben Trump unterstützte er auch Nigel Farages Ukip-Partei in Großbritannien.

Fazit: Die Wahl wurde nicht mit Fake News gewonnen

Trotzdem ist das Fazit des Faktenchecks: Die Wahl in Deutschland wurde nicht mit Falschmeldungen entschieden. In ihrem abschließenden Bericht schreiben die Journalisten von Correctiv: „Diese Wahl wurde nicht durch eine Fake News, etwa durch eine große und absichtlich verbreitete politische Lüge entschieden.“

Anders als vor der Präsidentschaftswahl in den USA im letzten Jahr würden die Menschen in Deutschland auch nicht so leicht auf Falschmeldungen eingehen. Grund dafür sei unter anderem, dass das Vertrauen in die sozialen Netzwerke, Hauptplattform für die Verbreitung von solchen Falschmeldungen, ohnehin schon nicht besonders groß sei. 

Aufgefallen waren den Journalisten neben den großen Negativ-Kampagnen vor allem viele kleinere Falschinformationen. Falsch ausgewählte Zitate, irreführende Bildunterschriften und Ähnliches zirkulierten meist unter dem Radar – also in geschlossenen Gruppen auf Facebook und regionalen Kreisen. Social-Bots waren vor der Bundestagswahl, anders als in Trumps Kampagne in den USA, kaum im Einsatz.

„So gut wie alle Verzerrungen, aus dem Zusammenhang gerissene Geschichten, die wir beobachtet haben, sind nur von tausend, meist sogar nur von einigen hundert Menschen geteilt worden. Deshalb wurden sie von der breiten Öffentlichkeit auch gar nicht bemerkt“, schreiben die Autoren. 

Fakes fast ausschließlich aus dem rechten Spektrum

Die Themen dieser Falschnachrichten gleichen sich thematisch auffällig. Inhalte beziehen sich meistens auf gängige Motive und warnen etwa vor einer „Überfremdung“ Deutschlands, oder sprechen von kultureller Entfremdung der Deutschen im eigenen Land. Eingesetzt werden sie, um Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit zu generieren oder zu unterstützen. Das vermittelte Gedankengut ist also eindeutig und mehrheitlich dem rechten Spektrum zuzuordnen. Neben den eigenen Faktenchecks führt Correctiv verschiedene Forschungen und Thesenpapiere von Experten hierzu an. 

Die Autoren resümieren: Die Deutsche Öffentlichkeit ist mehrheitlich durchaus in der Lage, Falschmeldungen von echten Nachrichten unterscheiden zu können oder verbreitet Fehlinformationen wenigstens nicht weiter. Trotzdem sind Halbwahrheiten und suggestive Inhalte in der Medienlandschaft keine Seltenheit mehr. Es bedarf also fundierter Faktenchecks von unabhängigen Portalen und umfassenderer Bildung im Bereich Mediennutzung, besonders im Internet.