Berlin/Athen - Es ist der zwölfte Tag in Folge und ein Ende ist nicht in Sicht: Die griechische Feuerwehr kämpfte auch am Sonntag gegen enorme Waldbrände. Besonders stark wüteten die Feuer in vielen Gebieten der Insel Euböa, Hunderte Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Im Norden der zweitgrößten griechischen Insel waren nach Angaben der Feuerwehr 263 griechische sowie über 200 ukrainische und rumänische Feuerwehrleute im Einsatz, dazu 66 Fahrzeuge und sieben Löschflugzeuge und -helikopter. Hunderte Häuser waren dort in den vergangenen Tagen bereits zerstört worden. Nun bedrohten die Flammen auch die Ortschaften Ellinika, Vasilika und Psaropouli.

Euböa ist nördlich von Athen lediglich durch eine enge Meerenge vom Festland getrennt. Die Insel ist überwiegend bergig und mit Kiefern bewachsen. Steile Hänge und zerklüftetes Gelände erschweren die Löscharbeiten. Am Sonntagmorgen wurden erneut Bewohner von einem Strand der Insel gerettet, wo sie von den Flammen eingekesselt worden waren, wie die Nachrichtenagentur ANA berichtete. An der Küste waren Militär- und Fährboote in Alarmbereitschaft, sollten weitere Evakuierungen nötig werden.

Imago/Michalis Karagiannis
Am Tag nach den verheerenden Bränden im Norden der griechischen Hauptstadt Athen begutachten Einsatzkräfte die Schäden.

Im Norden Athens hat sich die Lage derweil stabilisiert. Das Feuer, das dort seit Dienstag in mehreren Ortschaften gewütet hatte, war am Sonntagmorgen nach Angaben der Feuerwehr nicht mehr aktiv. Auf der südwestlichen Halbinsel Peloponnes brannte es hingegen weiterhin in den Bezirken Elis und Messenien und in der Gemeinde Anatoliki Mani.

Am Sonnabend hatte das Bundesinnenministerium angekündigt, dass sich Feuerwehrkräfte aus Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie das Technische Hilfswerk darauf vorbereiten, sich zügig mit Einsatzfahrzeugen nach Griechenland zu begeben. Sie sollen dort die Waldbrandbekämpfung unterstützen. Am Sonntag machte sich ein Hilfskonvoi aus Bonn auf den Weg (siehe Interview unten).

Unterdessen hatte sich in der Türkei die Lage in der betroffenen Provinz Antalya am Sonnabend nach starkem Regen deutlich entspannt. Aber: Mindestens sechs Brände im Land waren am Sonntag nach offiziellen Angaben noch nicht unter Kontrolle. Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour hat wegen der Waldbrände Unterstützung aus Deutschland auch für die Türkei gefordert. „Die Türkei braucht dringend jede denkbare Hilfe im Kampf gegen die Flammen“, sagte Nouripour am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. „Dieser Hilfe dürfen politische Verwerfungen nicht im Wege stehen. Bei Naturkatastrophen darf es keine Hilfe nur für EU-Staaten geben. Ob Griechenland, Italien oder die Türkei: Alle betroffenen Staaten brauchen dringend unsere Solidarität.“

Kritik am Krisenmanagement der türkischen Regierung

Die Einsatzkräfte konzentrieren sich derzeit vor allem auf die westtürkische Provinz Mugla. Dort erschwerten Winde die Löscharbeiten. Ein schon unter Kontrolle geglaubtes Feuer in der Provinz Aydin wurde durch den Wind wieder entfacht, wie der Sender NTV berichtete. Landesweit sollen Experten zufolge bisher weit über 100.000 Hektar Land zerstört worden sein – eine Fläche etwa doppelt so groß wie der Bodensee.

Seit Beginn der Brände wird immer wieder Kritik am Krisenmanagement der türkischen Regierung laut. Die Opposition wirft ihr vor, dass keine eigenen einsatzfähigen Löschflugzeuge zur Verfügung standen. Mit Hilfe aus dem Ausland sind nach offiziellen Angaben mittlerweile 16 Flieger und mehr als 50 Hubschrauber gegen das Feuer im Einsatz. Tausende Freiwillige unterstützen die Rettungsteams.

Zur Brandursache wird weiter ermittelt. Ein Feuer in Marmaris sollen Kinder aus Versehen ausgelöst haben. In Bodrum waren vergangenen Donnerstag Medienberichten zufolge drei Menschen festgenommen worden, unter dem Verdacht, Zigarettenstummel aus dem Auto geworfen zu haben.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK beschuldigt, Feuer gelegt zu haben. Mindestens acht Menschen sind in der Türkei durch die Flammen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt.

In Süditalien bedrohen Waldbrände indes zunehmend die Landwirtschaft und Naturschutzgebiete. „Ein weiteres Mal befinden sich die geschützten Naturareale im Klammergriff verheerender Brände“, erklärte der Präsident des Verbands für Parks und Naturreservate Federparchi, Giampiero Sammuri. Betroffen seien der Aspromonte Nationalpark im süditalienischen Kalabrien und der Parco delle Madonie östlich der sizilianischen Hauptstadt Palermo.