Wälder in der Größe von 1.400 Fußballfeldern sind in Brandenburg in diesem Jahr bereits abgebrannt, seit Tagen ist die Feuerwehr in der Lieberoser Heide im Einsatz, und auch in Berlin herrscht seit Monaten hohe Waldbrandgefahr. Angesichts der akuten Lage denken die Berliner Grünen sowie die Feuerwehr-Gewerkschaft Berlin/Brandenburg über eine landesübergreifende Kooperation in der Feuerbekämpfung nach.

„Brandenburg muss extrem aufrüsten“, sagte Micha Quäker von der Feuerwehr-Gewerkschaft Berlin/Brandenburg der Berliner Zeitung. Schon jetzt gäbe es große Ausrüstungslücken. Auch in kommenden Jahren sei mit einer steigenden Zahl von Bränden zu rechnen. „Angeschafft werden müssten zwei bis fünf Löschhubschrauber und ein Löschpanzer für Brandenburg“, forderte Quäker. In der Schulung der Einsatzkräfte für das schwere Gerät plädiert er für ein gemeinsames Konzept und eine Kooperation zwischen der Berliner und Brandenburger Feuerwehr.

„Es reicht nicht“

Immer wieder wird die Feuerwehr in Brandenburg – wie zurzeit in der Lieberoser Heide – mit besonders komplizierten und gefährlichen Löscheinsätzen konfrontiert, weil die Brände auf stark munitionsbelasteten Gebieten wüten, die auch die Feuerwehr nicht befahren kann.

Brandenburg habe bereits aufgerüstet, die Landespolitik bemühe sich redlich, so Quäker. „Aber es reicht nicht.“ Das Problem kennen viele Bundesländer: Vor allem die Flächenländer appellieren immer wieder an den Bund, die Mittel zur Brandbekämpfung zu erhöhen. Zurzeit verfügt Brandenburg weder über eigene Löschhubschrauber noch -flugzeuge, sondern muss sie bei Bundeswehr oder Bundespolizei anfordern.

Die Berliner Grünen erwägen nun, dem großen Nachbarn unter die Arme zu greifen. „Wenn wir auch Zugriff haben, sollten wir eine Beteiligung an Lösch-Hubschraubern prüfen“, sagte Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, der Berliner Zeitung. Berlin sei schließlich auch von Rauchentwicklungen bei Brandenburger Großbränden betroffen. Zuletzt sorgte Anfang Juli sogar ein Großbrand im 200 Kilometer entfernten Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern für starken Brandgeruch in der Hauptstadt – und für besorgte Anrufe bei Berliner Einsatzstellen von Bürgern, die einen Brand in der eigenen Straße vermuteten.

Mehr Mittel vom Bund

Johann Georg Goldammer, Leiter des Zentrums für Globale Feuerüberwachung mit Sitz in Freiburg, begrüßt die Bereitschaft der Berliner Grünen, ins Nachbarland zu schauen, ausdrücklich. Der international angesehene Experte plädiert aber für noch größere Kooperationen. „Zurzeit gibt es aus vielen Ländern Forderungen, aber kein konzertiertes Vorgehen“, so Goldammer. „Eine 4+1-Kooperation hätte Symbolkraft.“ Goldammer meint damit eine Zusammenarbeit zwischen den vier Flächenländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen sowie dem Stadtstaat Berlin. Dringend müsse aber auch der Bund die Mittel erhöhen – gerade für die Gemeinden und Länder, deren Böden durch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg belastet seien. „Der Bund darf diese Gemeinden nicht alleine lassen.“

Ein erster Schritt hin zu einem größeren Einsatz der Bundespolitik könnte diesen Dienstag geschehen: Dann besucht Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Lübtheen, um sich ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen. Am Montag forderte bereits Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) eine bundesweite Einsatzgruppe zur Brandbekämpfung auf munitionsbelasteten Gebieten. Spezialtechnik und Personal der Task Force – wie Löschpanzer oder Räumfahrzeuge – sollten dezentral vom Bund in ganz Deutschland stationiert werden, so Caffier.