Warnstreik: So verscherzt man Sympathie mit der BVG

Das Streikrecht ist ein wichtiges demokratisches Recht. Es unterscheidet Deutschland von den meisten Staaten der Welt. Doch diese Errungenschaft sollte verantwortungsbewusst genutzt werden, damit sie weiterhin allgemein akzeptiert wird. Diesen Grundsatz hat die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi missachtet. Denn sie beschloss, dass der erste Warnstreik in der festgefahrenen Tarifrunde bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) 15 Stunden dauern soll. Das ist viel zu lange. Jetzt darf sich die Gewerkschaft nicht wundern, dass sie dafür an den Pranger gestellt wird. Sie ist dabei, Sympathien zu verscherzen.

Dabei hat das BVG-Personal Verständnis verdient. Denn es hält Berlin zuverlässig und meist pünktlich in Bewegung, während die S-Bahn schwächelt. Trotzdem will die Arbeitgeberseite die BVG-Beschäftigten mit Lohnerhöhungen abspeisen, die nicht mal einen Inflationsausgleich darstellen. Zwar sagt sie ganz richtig, dass die Lage der BVG prekär ist. Es gibt jährlich Defizite, die Schulden wachsen. Aber dazu trägt das Land selbst bei, weil es seinem Unternehmen seit Jahren nicht das nötige Geld gibt.

Wenn sich die Bedingungen nicht bessern, wird die BVG bald noch ein Problem haben: Fahrermangel. Die Zahl der Bewerber sinkt. Manch einer steuert lieber Kaffeefahrten ins Umland, als sich für ein etwas besseres Salär als BVG-Busfahrer von Fahrgästen anpöbeln zu lassen. Verständlich.