Berlin - Als „Leuchtfeuer für die Welt in Krisenzeiten, von der großen Rezession bis zur Covid-19-Pandemie“ lobte dieser Tage die Johns-Hopkins-Universität die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wer ihr im Amt nachfolgen will, kennt die Maßstäbe. Und wie hat sie das gemacht, außer durch „beispiellose Entschlossenheit und Integrität“, die aus ihren persönlichen Eigenschaften und ihrer menschlichen Reife resultieren? Da hebt die Universität offensichtlich beglückt eine in der Politik nicht häufige Qualität hervor: die „wissenschaftliche Genauigkeit“, mit der die promovierte Physikerin an die Lösung schwerer Krisen wie kleinere Entscheidungen heranging. Angela Merkel hatte keine wolkigen Visionen, aber einen präzisen Kompass.

Politik hat sie nicht studiert, sondern erlernt – in den Stürmen der Zeit, wie man so schön sagt. Das unterscheidet sie von zahlreichen Vertretern – vielen Männern und wenigen Frauen – ihrer Politikergeneration. Die in Erinnerung blieben oder wenigstens aus der Masse hervorstachen, hatten nicht nur Karrieren, sondern Biografien – hier eine willkürliche Ost-West-Mischung durch Zeiten und Lager: Willy Brandt, NS-Widerstandskämpfer, Helmut Schmidt, geläuterter Wehrmachtsoffizier, Erich Honecker, politischer Häftling, Wolfgang Thierse, gelernter DDR-Bürger und Schriftsetzer, Michael Glos, Müllermeister, Regine Hildebrandt, Pharmaexpertin, Renate Künast, Sozialarbeiterin. Rainer Haseloff, promovierter Physiker und zehn Jahre lang Arbeitsamtsleiter.

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