Berlin - Es gibt die These, dass 9/11 Ost- und Westdeutsche näher zusammengebracht hat. „Mit den Anschlägen aufs World Trade Center schrumpfte die deutsch-deutsche Selbstbefassung. Die Ostler und die Westler mussten begreifen, dass sie jenseits ihrer eigenen Befindlichkeiten weltpolitisch im selben Boot sitzen“, sagt zum Beispiel der langjährige ostdeutsche Zeit-Autor Christoph Dieckmann. Man könnte auch sagen, dass 9/11 die ganze Welt näher zusammengebracht hat, zumindest für einen flüchtigen Moment.

Wenn man heute Menschen fragt, wo sie damals waren, bekommt man verblüffend oft dieselbe Antwort. Wer nicht gerade damals in New York lebte, hat den Tag vor zwanzig Jahren meistens am Fernseher verbracht. Heute ist es man es gewohnt, Krisen live am Fernseher oder in den sozialen Medien zu verfolgen, sei es das Evakuierungsdrama am Flughafen von Kabul oder die Flut in Ahrweiler. Man hat das Gefühl, man ist dabei, man kann selbst teilnehmen, durch Betroffenheitsgesten und Empathie-Bekundungen. Damals, vor zwanzig Jahren, gab es kein Twitter, kein Facebook, kein YouTube. 9/11 war die erste Krise, die man live verfolgen konnte. Und die Bilder der Katastrophe fesselten die Menschen auf der ganzen Welt, sie schufen große Gefühle und ein globales kollektives Bewusstsein. 9/11 wurde als Angriff auf den Westen verstanden. Wir sind alle Amerikaner, so ähnlich formulierte es Kanzler Gerhard Schröder. Wenn es ein „wir“ gibt, muss es auch ein „ihr“ geben.

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