Berlin - Es geht eine turbulente Woche zu Ende. Zum wiederholten Mal in dieser Pandemie erleben wir einen Staat, der durchgreift. Die Bundeskanzlerin hat dafür nettere Worte gefunden. Das sollte man aber nicht missverstehen. Schließlich hat sie im Parlament bereits gesagt, was sie von Widerspruch hält, indem sie ihn umgehend in die Nähe von Lüge, Desinformation und Verschwörung gerückt hat.

Ab Montag haben wir einen neuen Lockdown und auch, wenn er softer daher kommt als im Frühjahr, weil Geschäfte aufbleiben und Schulen, ist es eine harte Maßnahme mit vielen Widersprüchen. Man fragt sich, warum Restaurants geschlossen werden, aber keine Friseure. Warum Theater, aber keine Kirchen. Ganz offenbar liegen hier andere Kriterien zugrunde als nur die Verbreitungswege des Virus. Aus den Zahlen des Robert-Koch-Instituts geht jedenfalls nicht hervor, dass es in Lokalen massenhaft zu Ansteckungen gekommen wäre. Was es dann ist, erfährt man erst auf Nachfrage. Dass bei Friseuren ja kein Alkohol serviert wird, der die Hemmschwelle herabsetzt und so das Infektionsrisiko erhöht. Dass die Glaubensfreiheit ein höheres Gut ist, als das Beisammensein im Restaurant oder der Besuch einer Kulturveranstaltung. Dass Theater dem Freizeitvergnügen dienen und damit offenbar ein eher zu verschmerzender Verzicht sind. Kulturschaffende schäumen bereits ob dieser Entwertung und auch, weil sie so in derselben Kategorie gelandet sind wie Mitarbeiter in Bordellen.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.