Warum die demografische Entwicklung auch ein Glück sein kann

Krisen entschärfen, Ruhe ausstrahlen – das können wir Boomer. Vielleicht zeigen wir es demnächst öfter.

In manchen Berufen zählt nicht Uniformität, sondern persönliches Auftreten. 
In manchen Berufen zählt nicht Uniformität, sondern persönliches Auftreten. imago stock&people

Manchmal macht man sich unnötig viel zu viele Gedanken. Sieht Probleme, wo gar keine sind. Die demografische Entwicklung in unserem Land zum Beispiel. Da denken ja auch die meisten, dass es jetzt bergab geht. Klar, sobald wir Boomer in den Ruhestand treten, wird es in vielen Firmen Essig sein mit freiwilligen Überstunden und übertriebenem Arbeitsethos. Die Jüngeren wissen, dass sie weniger sind und daher wertvoller. Und sind wählerischer.

Dabei gehen sie allerdings davon aus, dass wir klaglos in den Ruhestand abtreten. Möglicherweise übernehmen wir aber im Alter hinterrücks ganze Branchen und gestalten sie nach unseren Vorstellungen um. Das glauben Sie nicht? Es ist längst im Gange! Kleiner Tipp: Achten Sie mal auf die Pförtnerinnen und Pförtner, die Ihnen in den öffentlichen Gebäuden über ihre randlosen Brillen freundlich-forschend entgegenblicken. Keiner ist da mehr unter 60.

Ist ja auch logisch. Eintritt zu gewähren, ist Vertrauenssache. Und manchmal auch recht umständlich. Da braucht man Geduld für die eigenen Aufgaben und die ungeduldigen Kunden. So wie jüngst in einem öffentlichen Gebäude dieser Stadt, das mit einer Sicherheitsschleuse ausgestattet ist. Mehr soll hier nicht verraten werden, nur noch so viel: In dem Gebäude arbeiten auch Volksvertreterinnen und -vertreter.

Der ältere Herr, der an diesem Tag die Pforte unter sich hatte, hatte diese Verantwortung offenkundig voll verinnerlicht. Er wusste: Hier geht es um die Sache, nicht um die Performance. So nahm er jedes Kleidungsstück und jede Tasche, die übers Band durch die Röntgenschleuse fuhr, sehr sorgfältig und einzeln in Augenschein. Ja, das kann man auch sehr langsam machen. Man muss es aber aushalten, dass die Menschen in der Schlange unruhig werden. Dann stoppte der Sicherheitsmann das Band komplett und studierte eingehend das Röntgenbild.

In dieser heiklen Situation gelang ihm ein kleines Kunststück: Er wirkte ehrlich konzentriert und kein bisschen provokativ. Er war offenkundig auf der Suche, nur wusste er noch nicht, wonach. Das sagte er auch dem Besitzer der Tasche, der sich nicht mehr als Sicherheitsrisiko, sondern umgehend einbezogen fühlte. Die Umstehenden traten ebenfalls näher. Alle waren jetzt auf einer gemeinsamen Mission. Der Sicherheitsmann hatte sie zu einer Gruppe zusammengeschweißt.

Und die bekam auch ihr Erfolgserlebnis. Unter beifälligem Nicken der Schlangestehenden wurde eine Nagelschere aus dem Taschenfutter geborgen. Der Sicherheitsmann hatte recht behalten, doch er triumphierte nicht. Er hatte es nicht nötig. Möge er die Pforte noch lange bewachen.