Berlin - Der Tag der Deutschen Einheit im Jahr 2021. 31 Jahre ist die Bundesrepublik nun vereint und ist es natürlich doch nicht. Noch nicht mal ein freier Tag fällt in diesem Jahr für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab. Ist es da nicht logisch, dass man der Rede der Bundeskanzlerin, wenn man sie denn in der Liveübertragung überhaupt verfolgte, erst mal nur mit halben Ohr zuhörte?

Angela Merkel nützte ihre letzte Einheitsrede als Kanzlerin für einige bemerkenswerte Sätze. Bemerkenswert, weil sie persönlich waren und sehr offen. Diesmal beschreibt sie, wie diese Herkunft aus anderer, westdeutscher Sicht definiert wurde. Dass es für die Westdeutschen im wesentlichen so weiterging wie bisher, während sich für die Ostdeutschen alles änderte. Und sie kritisiert, dass sie als „angelernte Bundesbürgerin“ bezeichnet wurde und wird. Sie sagt es nicht wörtlich, aber Mimik und Körpersprache drücken aus, wie ungerecht sie diese Bezeichnung findet. Zum ersten Mal in einem derartigen Rahmen spricht die Kanzlerin über sich und ihre Herkunft aus der DDR in derartiger Weise.

Warum erst jetzt?

Am Ende ihrer Amtszeit wirkt Angela Merkel so frei und klar in ihren Aussagen wie nie. Für die westdeutsche Beobachterin bleibt unverständlich, warum sie sich nicht früher dazu durchringen konnte. Mit Verlaub, so revolutionär sind diese Aussagen ja nun auch wieder nicht.

Sie bekommen ihre Wucht durch den Anlass (Deutsche Einheitsfeier) und die Person, die sie machte. Aber doch auch deshalb, weil sich gerade diese Person jahrzehntelang sträubte, ihre Herkunft ebenso wie ihr Geschlecht in ihrer Politik auch nur ansatzweise zu thematisieren. Als sei beides eine Schwäche von ihr. Das Private ist politisch, liebe Frau Bundeskanzlerin. Freut mich, dass Sie es zumindest ganz am Ende Ihrer Laufbahn bestätigen.