Das Handy und eine Corona-Warn-App sollen zur wichtigen Informationsquelle werden, wenn es um eine Infizierung in den vergangenen 14 Tagen geht.
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BerlinIn Tschechien sind es ungefähr zwei Prozent der Bevölkerung, in Österreich machen ungefähr sieben Prozent der Bevölkerung mit, und Singapur, das eigentlich als Vorzeigeland gilt, kommt auch nur auf rund 30 Prozent der Bürger, die die Corona-Warn-App nutzen.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die Menschen weltweit zurückhaltend sind, wenn es darum geht, im Kampf gegen das Coronavirus eine App herunterzuladen und zu nutzen. In Deutschland müssten mindestens 60 Prozent mitmachen, damit das Projekt erfolgreich wäre. Es wird also ein hartes Stück Arbeit für die Regierung, die Bürger zu überzeugen. Um ehrlich zu sein: ein fast unmögliches Vorhaben.

Die Bundesregierung plant zwar eine massive Werbekampagne, an der sich beispielsweise auch die Deutsche Fußball-Liga beteiligen will, aber sie hat in den vergangenen Wochen viele Fehler gemacht. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte die Inbetriebnahme der App für die Tage nach Ostern versprochen, jetzt soll es in dieser Woche, also Mitte Juni, passieren. Dann wurde der Auftrag einem europäischen Team entzogen, nachdem Wissenschaftler protestiert hatten. Mühsam war die Diskussion, wie Datensicherheit über Open Source hergestellt werden könne. Das macht misstrauisch.

Und so sind nach einer Umfrage zurzeit maximal 42 Prozent der Deutschen bereit, die App herunterzuladen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Bundesbürger generell eher skeptisch sind, wenn es um die Nutzung digitaler Angebote geht.

Bei all den Zahlen ist die wichtigste Nachricht: Von der Technik sind keine Wunder zu erwarten. Die App kann uns nur warnen, wenn ein Infizierter in den vergangenen 14 Tagen in unserer Nähe war. Sie bietet keinen Schutz vor einer Infektion. Wir bleiben selbst dafür verantwortlich, uns in der Öffentlichkeit rücksichtsvoll zu bewegen. Mit Maskenschutz und Sicherheitsabstand.