So sieht Kommunalpolitik in Deutschland aus: Armin Laschet bei der Auftaktveranstaltung des Kommunal-Wahlkampfs der CDU Ruhr.
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BerlinNur 34 Prozent der Abgeordneten im Brandenburger Landtag sind Frauen. Das Paritätsgesetz des Landes soll diesen Anteil erhöhen, das steht nun allerdings auf der Kippe. Die Potsdamer Verfassungsrichter prüfen das Gesetz, am Donnerstag wird verhandelt. Auf Kommunalebene ist der Anteil weiblicher Politikerinnen noch geringer. Lediglich ein Viertel der Mitglieder von Stadt- und Gemeinderäten in Deutschland sind Frauen, weniger als zehn Prozent sind in politischer Führungsverantwortung, wie Zahlen der Europäischen Akademie für Frauen in Berlin zeigen. Zwei der wenigen Amtsträgerinnen in Deutschland sind Katja Wolf (Linke), Oberbürgermeisterin von Eisenach, und Karina Dörk (CDU), Landrätin im Kreis Uckermark (Brandenburg), die sich beide schon früh für Politik begeistert haben.

„Schon in der Schulzeit war mein politisches Interesse groß“, sagt Dörk der Berliner Zeitung. Während der Wendezeit trat die Politik aber in den Hintergrund. Die 56-Jährige wurde Mutter und baute ein Transportunternehmen auf. Ihr fehlte der Freiraum, sich zu engagieren. „In die CDU bin ich 2000 eingetreten, wurde später in den Kreistag gewählt. 2010 wurde ich vom Kreistag zur 1. Beigeordneten gewählt.“ Landrätin ist sie erst seit zwei Jahren und damit eine der wenigen in Brandenburg, denn von insgesamt 14 Amtsinhabern sind nur zwei Frauen. „Meine Karriere war nie geplant. Allerdings haben mich viele Parteikollegen immer wieder motiviert und unterstützt.“

Frauen scheuen den Zeitaufwand

Ihrer Meinung nach scheuen Frauen häufig den großen Zeitaufwand, den ein politisches Amt mit sich bringt. Die Vereinbarkeit von Familie und Politik sei kaum möglich. „Ich habe weniger Zeit als vorher in meinem Unternehmen. Unter der Woche ist der Kalender voll mit Abendterminen, auch am Wochenende gibt es viele Veranstaltungen. Man muss im Vorfeld wissen, worauf man sich einlässt.“ Ähnliches berichtet auch Katja Wolf der Berliner Zeitung, die neben der Kölnerin Henriette Reker die einzige Frau im Präsidium des Deutschen Städtetages ist. Die Oberbürgermeisterin von Eisenach kann nur durch die Unterstützung ihres Mannes die für die Politik nötige Zeit aufbringen. Sie haben in der Familie einen Rollentausch vollzogen, meint Wolf. „Der Preis für das Amt ist relativ hoch, gerade in den Fragen, wie viel Zeit man tatsächlich noch zu Hause verbringen kann und wie viel man verpasst. Das kann man nicht wegreden.“ Als Wolf 2012 Oberbürgermeisterin wurde, waren ihre Kinder erst 9 bzw. 12 Jahre alt. „Die Frage, wie das mit Kindern zu schaffen ist, wird allerdings nur bei Frauen gestellt. Einen Mann fragt man das nicht.“

Die 44-Jährige hat sich schon früh politisch engagiert. Pubertät und Wendezeit seien bei ihr auf eine positive Art und Weise zusammengekommen. „In der Wendezeit gab es eine große Jugendbewegung, die das Jugendkultradio DT64 der DDR erhalten wollte. Das Programm war ein Leuchtturm, der einen durchs Leben führte, aber mit dem Einigungsvertrag abgeschaltet werden sollte. Das war mein Einstieg in die Politik.“ Auch zur Zeit des Golfkrieges engagierte sich Wolf und kämpfte für den Frieden. Doch schnell kam sie zu dem Schluss, dass außerparlamentarische Arbeit allein nicht ausreiche, und trat deshalb 1992 in die PDS ein. „Ich bin damals in eine Partei eingetreten, wo eine Quotenregel völlig unstrittig war. Denn es war klar, dass es die alten Männer waren, die es in der DDR vergeigt hatten.“

Wir haben viele sehr gute Frauen, aber die Männerbünde funktionieren an der einen oder anderen Stelle besser.

Karina Dörk, Landrätin der Uckermark

Ihrer Meinung nach sind neben der Vereinbarkeit von Familie und Politik vor allem männlich geprägte Strukturen und die Sozialisation Gründe für Frauen, nicht in die Kommunalpolitik zu gehen. „Wir sind weniger konfliktorientiert, allerdings muss man das in der Politik sein, um Ziele zu erreichen. Man kann nicht nur mit Wattebäuschchen werfen.“ Dörk teilt diese Einschätzung. „Frauen sind zurückhaltender, machen die Arbeit oft lieber im Hintergrund und präsentieren sich vielfach nicht so gern in der Öffentlichkeit.“ Ihnen fehle häufig der Mut. Um das zu ändern, seien Vorbilder wichtig, sagt Wolf. „Man muss zeigen, dass es auch als Frau möglich ist, erfolgreich Kommunalpolitik zu betreiben.“

Langfristig führe an einer verbindlichen Frauenquote jedoch kein Weg vorbei. Dass das Thüringer Paritätsgesetz von den Verfassungsrichtern in Weimar gekippt wurde, findet Wolf schade. „Ich bin davon überzeugt, dass es in den kommenden Jahren ohne Quotenregel nicht möglich ist, genügend Frauen in die Politik zu bringen.“ Würden Parteien gezwungen, Listen paritätisch zu besetzen, wäre das ein großer Schritt nach vorn. „So würden Frauen ermutigt und auch gesucht werden. Und Frauen brauchen Ermutigung, den Zuspruch, dass man ihnen etwas zutraut. Das ging mir auch so.“ Am Ende wirke eine stärkere Repräsentanz von Frauen in der Politik auch auf kommunaler Ebene.

Frauen brauchen Erfolgserlebnisse

Auch Dörk spricht sich für das Paritätsgesetz aus. „Wenn Sie mich vor Jahren gefragt hätten, hätte ich wie viele junge Frauen in der CDU gesagt, eine Quote brauchen wir nicht, und ich will keine Quotenfrau sein.“ Mit zunehmender Erfahrung sei ihr jedoch bewusst geworden, dass Frauen eine bessere Startmöglichkeit in die Politik brauchen. „Wir haben viele sehr gute Frauen, aber die Männerbünde funktionieren an der ein oder anderen Stelle besser.“ Frauen seien nicht die klassischen Netzwerkerinnen, meint auch Wolf.

Beide Politikerinnen wünschen sich ein stärkeres politisches Engagement von Frauen, denn „Kommunalpolitik schreit nach Frauen“, sagt Wolf. „Ich kann vor Ort sehr konkret entscheiden, ob das Geld in die Musikschule oder ein Prestigeprojekt im Straßenbau geht. Ich weiß, dass es auch Frauen viel Spaß macht, ihr eigenes Lebensumfeld mit beeinflussen zu können.“ So schafft man Erfolgserlebnisse, die Frauen dazu motivieren, politische Verantwortung zu übernehmen.