Berlin - Wenn man die Berliner Linke-Chefin Katina Schubert dieser Tage anruft und nach ihren drei Wünschen an die neuen Parteivorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler fragt, dann muss man keine zwei Sekunden auf die Antwort warten. „Dass sie den Laden zusammenhalten, dass sie ein Aufbruchssignal senden und dass sie deutlich machen, dass sie mit einer starken Linken das Land verändern wollen“, sagt Schubert.

Geschlossenheit und realpolitische Verankerung waren bislang nicht unbedingt die Stärken der Bundes-Linken. Schubert kann künftig selbst daran mitwirken, den Kurs der Linken dahingehend zu ändern. Beim digitalen Parteitag am Sonnabend wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Der frühere Wirtschaftssenator Harald Wolf war einziger Bewerber um den Posten des Schatzmeisters. Die Berliner Linke wird also in der Bundespartei an Einfluss gewinnen.

Seit 2016 hat die Linke in Berlin nicht an Zustimmung verloren

Man könnte auch sagen: Sie wird künftig ihrer Bedeutung entsprechend vertreten sein. Denn in der Hauptstadt hat die Linke seit 2016 nicht nur gezeigt, dass sie regieren kann, ohne an Zustimmung zu verlieren. Sie ist und bleibt auch die politische Lebensversicherung der Partei – denn nur in Berlin gelingt es den Sozialisten zuverlässig, Direktmandate zu gewinnen.

Eine aktuelle Infratest-Umfrage für den RBB sieht die Linke mit Spitzenkandidat Klaus Lederer bei 15 Prozent. Ihre Zustimmung ist über Jahre konstant geblieben, ganz anders als bei früheren Regierungsbeteiligungen.

Was Landeschefin Katina Schubert zum bevorstehenden Wahlkampf sagt, ist darum längst nicht selbstverständlich. „Wir werden im Wahlkampf damit werben, dass wir in dieser Koalition gestaltet haben“, sagt sie. Gestaltet auch gegen große Konzerne, so betont Schubert, insbesondere mit dem Mietendeckel. „Wir sind diesen Mächten nicht ausgeliefert, den Beweis hat die Linke erbracht.“

Nun ist es mit Beweisen in der Politik so eine Sache. Zumindest aber ist die Berliner Linke nach mehr als vier Jahren an der Regierung ganz bei sich. Die Legislatur hat sie weitgehend skandalfrei überstanden. An der Fraktionsspitze im Abgeordnetenhaus hat sie ohne jegliches Getöse einen Generationswechsel geschafft. 

Nur in Berlin holt die Linke Direktmandate

Und bei der Bundestagswahl dürfte den Berliner Linken abermals gelingen, was ihre Genossen von der Ostsee bis zum Erzgebirge fast nirgends schaffen: der Gewinn von Direktmandaten. In Treptow-Köpenick tritt Gregor Gysi wieder an, in Marzahn-Hellersdorf Petra Pau und in Lichtenberg Gesine Lötzsch. Alle drei lagen 2017 uneinholbar vor ihren jeweiligen Kontrahenten.

Spannender wird es in Friedrichshain-Kreuzberg. Dort war die Linke 2017 bei den Zweitstimmen deutlich stärkste Kraft. Das Direktmandat holte trotzdem knapp die Grüne Canan Bayram. Pascal Meiser, der über die Landesliste in den Bundestag einzog, will es dieses Mal direkt schaffen.

In Pankow holte Stefan Liebich 2017 das Mandat. Er tritt aber nicht wieder an. Der langjährige Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Udo Wolf, übernimmt den Wahlkreis. Und seine Chancen stehen jedenfalls gut – Wolf ist nach fast 30 Jahren in der Berliner Politik bekannt, der Bezirk ist links regiert, die Wählerbasis breit.

Das Urteil des Verfassungsgerichts wird zum Schicksalsentscheid

Sollte die Linke bundesweit tatsächlich die Fünf-Prozent-Hürde reißen – was nach aktuellen Umfragen zumindest denkbar ist –, dann wäre sie mit den Berliner Abgeordneten zumindest als Gruppe im Bundestag vertreten.

Vorprogrammiert ist der relative Erfolg der Linken in Berlin trotzdem nicht. Voraussichtlich im späten Frühjahr wird das Bundesverfassungsgericht über den Mietendeckel entscheiden. Bestätigen die Richter das Gesetz, dann wären das höchste Weihen für radikale Politik. Kassieren sie es, dann müssen Tausende Mieter hohe Nachzahlungen leisten – und dürften sich zweimal überlegen, wem sie bei der Wahl das Vertrauen schenken.

Katina Schubert übt sich in Optimismus. Der Mietendeckel sei ein komplexes Gesetz mit mehreren Bestandteilen – Kritik an Teilen des Gesetzes gefährde es nicht in Gänze. „Wir hoffen, dass es aus Karlsruhe bald eine Entscheidung zugunsten der Mieterinnen und Mieter gibt“, sagt sie.