Die Eskalation der Lage in Kasachstan könnte starke geopolitische Implikationen haben: Kasachstan spielt eine zentrale Rolle in Chinas Projekt der „Neuen Seidenstraße“ (BRI):  Das gigantische Projekt wurde im September 2013 von Chinas Staatspräsident Xi in Kasachstan verkündet. Kasachstan ist neben Pakistan eine der Schlüsselnationen, mit denen China seinen Handelsweg nach Europa verwirklichen will.  Das Land umfasst eine riesige Landmasse in Eurasien und verfügt über reiche Öl und Bodenschätze. Schon lange vor dem Start der Seidenstraße hatte China Milliarden in die Infrastruktur Kasachstans investiert. Für China ist Kasachstan von entscheidender geostrategischer Bedeutung - sowohl als Transitland, Energiequelle auch als Grant der Stabilität für die instabile chinesische Provinz Xinjiang, die direkt an Kasachstan grenzt. Zugleich ist Kasachstan Russlands engster Verbündeter in Asien. Auf allen Gebieten gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen Russland und der ehemaligen Sowjetrepublik.

Während das politische System Kasachstan autoritär ist, hat die Regierung bisher eine liberale Wirtschaftspolitik verfolgt – ein Ansatz, den auch Russland und China in unterschiedlicher Ausprägung gegangen sind. Das Center for Security Studies der ETH Zürich schreibt: „Das Durchschnittseinkommen liegt auf dem Niveau Russlands und ist damit höher als in der Region oder in China. Kasachstan erwirtschaftet 60 Prozent des zentralasiatischen BIP und zieht bis zu eine Million Wanderarbeitende aus seinen ärmeren Nachbarländern an. Das beeindruckende Wirtschaftswachstum wurde durch den enormen Rohstoffreichtum ermöglicht. Kasachstan verfügt über die elftgrößten Ölreserven der Welt, einige der weltweit umfangreichsten Vorkommen an Kupfer, Phosphorit, Zink und Gold, und ist der weltgrößte Uranproduzent.“ Kasachstan kooperiert mit China wirtschaftlich, mit Russland militärisch – hat jedoch bisher versucht, eine russische Dominanz zu verhindern.

Bereits 2009 gewährte China Kasachstan ein Darlehen von 10 Milliarden Dollar und erwarb damit weitere Anteile im Öl- und Gassektor. Das Khorgos Distributionszentrum, ein kasachisch-chinesisches Joint Venture, ist der weltgrößte Trockenhafen und ein BRI-Flaggschiffprojekt.

Die Beziehungen zum Westen beschränken sich laut ETH Zürich „weitgehend auf Energie und Sicherheit“. Europäische und US-amerikanische Unternehmen halten demnach „große Anteile am kasachischen Öl- und Gassektor, für den sich ihre Technologie als entscheidend erwiesen hat“. Ein Drittel der kasachischen Exporte geht in die EU, vorwiegend Rohstoffe wie Rohöl und Mineralien. (BLZ)