In dem Lastwagen entdeckten Behörden 39 Leichen.
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BerlinWer erinnert sich an die Toten von Dover? 19 Jahre ist das her, dass Zollbeamte im Hafen der britischen Stadt die Leichen von 58 Chinesen fanden. Sie starben 2001 in einem Tomatentransporter. Weil sie in Europa leben wollte, und wussten, dass niemand sie auf legalem Weg nach Europa lassen würde.

Viele erinnern sich noch an den weißen Kühllastwagen, der im Sommer 2015 an einer Autobahn in Österreich abgestellt wurde. Im Laderaum des Lastwagens starben 71 Flüchtlinge, sie waren erstickt. Weil sie etwas Besseres gesucht hatten als ihre Heimat – und Schlepper fanden, die ihnen den Tod brachten.

Wer kann nun die Bilder ertragen von dem roten Lastwagen mit dem weißen Container, in dem 39 Leichen gefunden wurden? An einem Herbsttag im Industriegebiet, östlich von London. Noch ist nicht klar, ob auch diese Menschen vor allem einen Wunsch hatten: Dort zu leben, wo wir gut leben. Noch ist nicht klar, ob es Flüchtlinge waren, die von Schleppern   zu Tode gebracht wurden. Aber vieles spricht dafür.

Und vieles spricht auch dafür, dass diese Bilder von Leichen in Lastwagen zu einem Symbolbild werden könnten. Zu einem Symbol in Geschichtsbüchern, mit denen sich zukünftige Generationen ein Bild von unserer Zeit machen wollen, in der Menschen in Containern erstickten, weil sie die Luft von Freiheit und Wohlstand suchten. Sicher, wir – die Zeitzeugen – werden uns vor jüngeren Generationen damit rechtfertigen, dass es schwierig ist, eine Weltordnung ohne Grenzen zu schaffen. Fast unmöglich sogar. Vielleicht wird man uns das glauben. Aber die Bilder der Lastwagen mit den Toten, die wird unsere Generation nicht mehr los.