Berlin - In der Berliner Landespolitik sind die Ergebnisse aus Magdeburg auf geteiltes Echo gestoßen. Je nach politischer Couleur wurden die Ergebnisse entweder bejubelt oder relativiert. Und alle stellten sich die Frage: Was mögen die Zahlen für den 26. September bedeuten, wenn in Berlin zeitgleich Abgeordnetenhaus und Bundestag gewählt werden?

Der Berliner CDU-Generalsekretär Stefan Evers sprach von „einem guten Tag für Sachsen-Anhalt“. Ministerpräsident Reiner Haseloff habe bewiesen, „wie man in schwierigen Zeiten kämpft - und gewinnt“. Das Wahlergebnis sei „ein starkes Votum für eine pragmatische, tatkräftige Politik der Mitte“.

Im nächsten Atemzug richtete sich Evers' Blick auf die Super-Wahltag am 26. September. Der CDU gebe das Ergebnis von Sachsen-Anhalt im Bund und auch in Berlin kräftigen Rückenwind, so Evers. „Den werden wir nutzen, um Rot-Rot-Grün in 112 Tagen abzulösen.“

Das würde sicher auch der Berliner AfD-Fraktionschef Georg Pazderski goutieren - wohl wissend, dass die CDU auch in Berlin eine Zusammenarbeit mit seiner Partei ausgeschlossen hat. Unabhängig davon hat Pazderski die Wahlergebnisse als „Markstein der Entwicklung der AfD und der politischen Zukunft“ des Landes bezeichnet. „Die Bürger in Sachsen-Anhalt haben dem linken Mainstream erneut eine Absage erteilt“, schrieb er in einer Pressemitteilung.

Die Berliner Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch hielt dagegen: Viele hätten Regierungschef Haseloff ihre Stimme gegeben, um die AfD zu verhindern. Solche Art des taktischen Wählens sei für Berlin nicht zu befürchten und auch nicht notwendig, so Jarasch. „Hier ist klar, dass die Herzen der übergroßen Mehrheit dieser Stadt nicht der AfD gehören. In Berlin ist eine Gestaltungskoalition möglich, keine Abwehrkoalition gegen die AfD.“

Zu dieser „Gestaltungskoalition“ gehört auch SPD-Partei- und Fraktionschef Raed Saleh. Er sprach von einem „erschreckenden und bitteren“ Ergebnis der SPD in Sachsen-Anhalt. Auch für ihn habe die Wahl im Zeichen einer Zuspitzung gestanden, davon habe die CDU profitiert, sagte er am Sonntagabend im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Auf Berlin habe das Ergebnis jedoch keinen Einfluss, so Saleh. Hier sei mit einer solchen Zuspitzung nicht zu rechnen. Dennoch sieht er die SPD in einer „sehr guten Ausgangslage“. Das habe mit einer guten Bilanz der Ära Michael Müller, aber auch mit der aktuellen Spitzenkandidatin Franziska Giffey zu tun. „Inhalt und Person passen bei uns zusammen. Das macht mich sehr optimistisch.“ 

Für den dritten aus der rot-rot-grünen Koalition in Berlin, die Linken, geht Parteichefin Katina Schubert sehr nachdenklich aus dem Wahlabend. Das Ergebnis sei „dramatisch“. Ihre Partei müsse dringend „neue Klientele“ erschließen. 

Doch auch Schubert sieht keine Analogien zu Berlin oder dem Bund. Bei beiden Wahlen dürfte die AfD nicht als Schreckgespenst taugen, das dem Amtsinhaber und obersten AfD-Abwehrer Stimmen zuspiele. Außerdem trete auch kein Amtsinhaber noch einmal an. Unter den Berliner Spitzenkandidaten ist Klaus Lederer (Linke) sogar der einzige, der im Senat Regierungsverantwortung hat.