BerlinAuf dem Weg, ein feierliches Essen abzuholen am Samstagabend, trafen wir im Hof eine unserer Lieblingsnachbarinnen, Kerstin.

„Was wird Donald in den nächsten zwei Monaten machen?“, fragte sie. „Alles im Weißen Haus einmal abschlecken?“ Sie hat nicht unrecht – ich stelle mir schon die ganze Zeit vor, wie er und Vizepräsident Mike Pence ihre Initialen in den großen Schreibtisch im Oval Office ritzen, bevor sie am 20. Januar hinausgeworfen werden. Wir alle erwarten, dass Präsident Trump dem Weißen Haus in den kommenden Monaten buchstäblich oder bildlich irgendeinen Schaden zufügen wird. Aber welche Art von Schaden?

Er könnte Leute entlassen, die er nicht gut leiden kann, wie etwa Dr. Anthony Fauci, den Christian Drosten Amerikas. Oder Christopher Wray, den Trump 2017 zum Chef des FBI ernannte, der aber seither den Präsidenten enttäuscht hat. Sie können aber Gott sei dank leicht wieder eingestellt oder neu ernannt werden.

Den größten Schaden werden wahrscheinlich die Executive Orders anrichten, die dem Präsidenten die Möglichkeit geben, mit wenig Einfluss von außen Politik zu machen – Präsidenten auf beiden Seiten haben diese Praxis (enttäuschenderweise) ausgeweitet. Trump hat zum Beispiel damit gedroht, Tiktok zu verbieten, und Präsident Obama hat damit Teile der Anti-Abtreibungs-Politik seines Vorgängers aufgehoben.

Trump könnte versuchen, seine Politik festzuzurren, indem er zum Beispiel probiert, das Dreamers-Programm zu beenden. Dreamers bietet Menschen, die als Kinder illegal ins Land gebracht wurden, aber in den USA aufgewachsen sind und kein anderes Land kennen, die Staatsbürgerschaft. Er könnte auch Abtreibung oder Handelsgeschäfte ins Visier nehmen. Das meiste aber, das er mit einer Exekutivanordnung tun könnte, könnte legal verzögert oder durch eine Gegenanordnung ausgeglichen werden, wenn der designierte Präsident Joe Biden zum Präsidenten Joe Biden wird.

Interessanter sind daher Begnadigungen, die Trump aussprechen könnte. Jeder Präsident setzt am Ende seiner Amtszeit eine ganze Reihe davon in Gang. Die Begnadigungen sind sehr aufschlussreich, weil sie Licht in die Skandale bringen, die die Präsidenten während ihrer Präsidentschaft betrafen. Der erste Präsident Bush begnadigte zum Beispiel eine ganze Kaserne von Personen, die im Zusammenhang mit dem Iran-Contra-Skandal verurteilt worden waren, und zeigte damit, dass er nichts Falsches daran sah, illegal Waffen an den Iran zu verkaufen, um einen heimlichen Krieg in Nicaragua zu finanzieren.

Präsident Clinton begnadigte einen Kronzeugen des Whitewater-Immobilienskandals, der seine gesamte Präsidentschaft in Mitleidenschaft zog und das Schreckgespenst aufkommen ließ, es gäbe noch mehr als ohnehin ausgegraben worden war – er begnadigte auch seinen Bruder wegen eines bereits getilgten Drogendelikts sowie einige andere Personen, die nur oberflächlich bekannt waren, was für ihn nach der Präsidentschaft zu einem Skandal und zu strafrechtlichen Ermittlungen führte. Auf jeden Fall fragte man sich, welches Kaliber von Menschen Präsident Clinton als Freunde betrachtete.

Präsident Obama stellte einen Begnadigungsrekord auf, indem er an seinem letzten Tag im Amt 330 Menschen freiließ – die meisten von ihnen waren wegen Drogendelikten zu hohen Strafen verurteilt worden, was die weitverbreitete Überzeugung unterstreicht, dass der US-Drogenkrieg rassistisch und ein Fehlschlag ist (er selbst gab den Drogenkonsum zu).

Wen also wird Präsident Trump begnadigen? Urkomischerweise: sich selbst. Niemand weiß, ob ein Präsident sich selbst begnadigen kann für Dinge wie Steuerhinterziehung oder illegales Profitieren von seiner politischen Position – weil kein Präsident dies zuvor versucht hat. Aber das ist es, wofür The Donald (wie er früher genannt wurde) am bekanntesten ist: Dinge zu tun, die kein vernünftiger Mensch tun würde. Er wird auch jeden begnadigen, der wegen eines Verbrechens im Zusammenhang mit seiner Präsidentschaft verurteilt wurde, und wahrscheinlich auch Familienmitglieder, nur für den Fall der Fälle.

Aber um Kerstins Frage zu beantworten: Ich erwarte von ihm, dass er all diese Dinge tut und alles im Weißen Haus mindestens einmal abschleckt.