Donnerstag ist es mal wieder soweit. Mit oder ohne Kürbiskopf.
Foto: imago images

BerlinDonnerstag ist Halloween. Die Leute setzen sich Kürbisse auf die Köpfe, hüllen sich in Star-Wars-Kostüme oder hängen sich Federn an die Köpfe und zelebrieren einen fröhlichen Fasching.

Halloween: Keine rassistischen Kostüme

Das Internet überschlägt sich dieser Tage mit Ratschlägen, was man in diesem Zusammenhang tun solle, tun müsse und keinesfalls dürfe. Zum Beispiel, sich als Kultur oder Rasse verkleiden. So etwas habe mit Imperialismus und Kolonialismus zu tun und sei rassistisch. Kritisiert wurde die sogenannte kulturelle Aneignung, also die gedankenlose Verwendung bestimmter Symbole von Ethnien und Gemeinschaften. Gedankenlos?

Ich erinnere mich, wie ich als Kind am liebsten zum Fasching ging − als Indianer auf dem Kriegspfad. Mit rotem Plastetomahawk am Kunstledergürtel und ein paar Taubenfedern im Haar, im Kopf die edlen Worte Winnetous und im Herzen die Wut über das, was man seinen Brüdern und Schwestern angetan hatte. Mein Gesicht glühte vor Stolz, als ich den fiesen Bleichgesichtern entgegentrat. Hätte Häuptling Graue Wolke, der mir von dort drüben über den großen Teich zusah, gedacht: „Heh, du rassistischer Bengel, der du keine Ahnung vom Indianerleben hast. Zieh sofort dein albernes Kostüm aus und hör auf, mich und mein Volk zu verspotten!“

Kostüm für Halloween: Sollten Kinder auf Indianerkostüme verzichten?

Oder hätte er geschmunzelt, mich herangewunken und gesagt: „Nicht schlecht für den Anfang, mein Kleiner. Lass uns runter zum Fluss gehen, dort zeig ich dir mal, wie man mit bloßen Händen einen Fisch fängt.“ Ich kann mir keine schönere Identifikation mit einer anderen Kultur vorstellen, als für einen Moment in ihre Haut zu schlüpfen. Deshalb bin ich unschlüssig, wenn Kitas Kinder und Eltern derzeit auffordern, auf Indianerkostüme zu verzichten. Ihre Begründung: Die amerikanischen Ureinwohner wurden vertrieben und getötet, die Nachfahren der Aggressoren sollen kein Schindluder mit dieser Leidensgeschichte treiben.

Ich glaube, dass die Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner differenzieren können und es sie nicht kümmert, wenn bei uns Kinder im Indianerkostüm herumlaufen. Aber bevor wir uns ein zweites Mal über eine Minderheit hinwegsetzen, diesmal mit einer vorgefertigten Meinung über ihr Empfinden, fragen wir sie doch besser selbst. Liebe Amerikaner mit indianischen Wurzeln: Bitte lasst uns wissen, ob mit Federschmuck kostümierte Kinder euch verletzen oder begeistern.