Als Willy Brandt am Morgen des 7. Dezember 1970 das Gästehaus der polnischen Regierung verlässt, steht ihm ein bedeutender, ein anstrengender Tag bevor. Das ist sicher. Dass es auch einer sein wird, der die Welt bewegt, ist da noch nicht klar. Der Bundeskanzler wird den Warschauer Vertrag unterzeichnen, mit dem die Bundesrepublik Deutschland 25 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs eines der Ergebnisse dieses Krieges endgültig akzeptieren wird: die völkerrechtliche Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze.

Das bedeutet den Verlust eines Viertels des einstigen deutschen Staatsgebiets, das bis dahin zu Polen gehört – und auf das damals noch immer Millionen in Westdeutschland lebende Vertriebene, ihre Verbände und große Teile der CDU/CSU Anspruch erheben. Sie nennen ihn, den deutschen Kanzler, deshalb einen Verräter und begleiten seine Reise mit einem Wutgeheul, wie es in der noch kurzen Geschichte der BRD seinesgleichen sucht.

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