Erstmals ist es gelungen, europaweit mehr als eine Million Stimmen zu sammeln und damit einer europäischen Bürgerinitiative zum Erfolg zu verhelfen. Die EU-Kommission muss sich nun mit dem Thema der Privatisierung von Wasserbetrieben befassen. Das ist nach zwölf gescheiterten Anläufen ein großer Erfolg für Europas Zivilgesellschaft. Europa bewegt also doch.

Das Votum hat aber noch eine zweite Komponente. Bemerkenswert ist, dass es nicht die europäischen Großthemen wie Euro-Krise, Eurobonds oder EU-Etat sind, welche die Menschen in Europa bewegen. Es sind die lokalen Themen wie Wasser, die die Menschen mobilisieren. Für die EU hat der große Erfolg der Wasserinitiative also eine Lektion parat. Das europäische Prinzip der Subsidiarität, wonach Themen – von unten beginnend – möglichst auf der Ebene gelöst werden sollen, die sie auch direkt betreffen, wird von den Menschen in Europa sehr ernst genommen. Die EU-Kommission muss also nicht jedes Detail regeln. Auf lokaler Ebene verstehen die Menschen sehr wohl selbst, worauf es ankommt. Auf Autonomie und Selbstbestimmung – nicht nur beim Wasser.