Dieses Ergebnis sollte die Obersten Richter der USA erschüttern: Nur noch 44 Prozent der Amerikaner heißen ihre Arbeit gut, drei Viertel glauben sogar, dass sie sich bei Urteilen von ihren persönlichen und politischen Ansichten leiten lassen und nicht von der Verfassung. Das ergab eine neue Umfrage, die New York Times und CBS mit Blick auf die anstehende Entscheidung des Supreme Court über Obamas Gesundheitsreform in Auftrag gegeben haben.

Ganz neu ist der Ansehensverlust des Gerichts nicht, aber noch etwas dramatischer als bislang. Schon im Jahr 2000 befürworteten lediglich 50 Prozent der Amerikaner die Arbeit des Gerichtes, während es in den 80er-Jahren noch 66 Prozent gewesen waren.

Richter machen es den Leuten nicht recht

Der Niedergang des Supreme Court im öffentlichen Bewusstsein kommt nicht von ungefähr. Denn das Gericht hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten ideologisch so zerstritten wie der Rest der Gesellschaft und die Politik. Besonders bei den Urteilen Bush vs. Gore im Jahr 2000 oder Citizens United vs. Federal Election Commission (zur Wahlkampffinanzierung) 2010 waren für die konservative Mehrheit des Gerichts offenkundig ideologische Gründe entscheidend.

Insofern wundert die Meinung der Amerikaner nicht. Ein kleiner Trost für die Richter kann nur sein: die Wertschätzung für die Parlamentarier im Lande ist noch weit geringer. Es liegt nur mehr bei 15 Prozent derzeit.

Zwei Drittel der Amerikaner hoffen nun, dass das Gericht in diesem Monat noch die Gesundheitsreform für verfassungswidrig ablehnt. Und nur einer von achten glaubt, dass dies aus juristischen Gründen geschieht. Kurz gesagt: Das Gericht mag zwar ideologisch urteilen, doch das ist den meisten anscheinend egal, wenn die Entscheidung in ihrem Sinne fällt. Einige der Befragten sagten sogar, dass sie noch weniger als bisher von dem Gericht hielten, wenn es nicht in ihrem Sinne entschiede.

Im Grunde können es die Richter den Leuten also nicht recht machen. Egal wie sie entscheiden, werden sie an Ansehen verlieren. So ist das heute in einer polarisierten amerikanischen Gesellschaft, die oft  keine Argumente mehr austauscht, sondern sich fundamentalistische Grundsätze um die Ohren haut. Die obersten Richter – zumal die konservativen unter ihnen – haben allerdings mit ihren teilweise hoch ideologischen Urteilen der letzten Jahre zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen – und damit dazu, dass sie es vielen nicht mehr recht machen können. Außer sie besönnen sich wirklich auf das Recht. Doch das ist leider nicht zu erwarten.