Wegbegleiter erinnern an den Grünen-Politiker Ströbele

Einige Wochen nach dem Tod des Grünen-Politikers Hans-Christian Ströbele haben Bekannte, Freunde und politische Wegbegleiter am Dienstagabend an ihn erinnert...

Arnulf Rating, Kabarettist spricht während der Gedenkfeier für den Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele in der Arena Berlin.
Arnulf Rating, Kabarettist spricht während der Gedenkfeier für den Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele in der Arena Berlin.Annette Riedl/dpa

Berlin-Einige Wochen nach dem Tod des Grünen-Politikers Hans-Christian Ströbele haben Bekannte, Freunde und politische Wegbegleiter am Dienstagabend an ihn erinnert. Der frühere RAF-Anwalt und langjährige Grünen-Bundestagsabgeordnete war Ende August im Alter von 83 Jahren gestorben. Der Kabarettist Arnulf Rating, den Ströbele einst als Anwalt vertreten hatte, würdigte ihn als klug, lebensfroh und moralisch integer. „Christian war für mich ein Leitstern“, sagte Rating bei der Gedenkfeier in Berlin. „Als Leitstern wird er umso heller strahlen, je dunkler es um uns wird.“

Der Grünen-Politiker und frühere grüne Bundesumweltminister Jürgen Trittin nannte Ströbele eine Institution des Bundestages. „Für ihn war klar: Existenzielle Fragen müssen im Parlament diskutiert werden, und dafür sorgte er“, sagte Trittin. „Ich finde, der Demokratie fehlt der Aufklärer Ströbele ganz schmerzlich.“

Trittin wies auf den erfolgreichen Wahlkämpfer Ströbele hin, der vier Mal ein Direktmandat errungen hatte. „Das erste Mal mit dem Satz Ströbele wählen, Fischer quälen“, sagte Trittin auf das nicht immer einfache Verhältnis Ströbeles zum früheren grünen Außenminister Bezug nehmend. „Ich weiß aus eigenen Gesprächen mit Joschka, dass er sich gequält gefühlt hat, aber am Ende doch stolz darauf war.“

„Wir verdanken ihm unendlich viel“, sagte Trittin über den grünen Abgeordneten aus Kreuzberg. „Ich verneige mich vor einem ebenso sanften wie beharrlichen Revolutionär, einem linken Grünen, vor allem aber einem großen Menschen.“

Wolfgang Wieland, früherer Grünen-Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Berliner Justizsenator, sagte, Ströbeles Tod sei für die Grünen ein großer Verlust. Die Linke-Politikerin Gaby Gottwald ergänzte, Ströbele sei ein Internationalist gewesen. „Staatliche Willkür war ihm zuwider. Sein politisches Handeln war geprägt durch die große Empathie für die Notlagen anderer.“ Er sein kein Pazifist gewesen. „Er war eher Antimilitarist.“

In weiteren Redebeiträgen erinnerten unter anderem die Sprecherin von Fridays for Future, Clara Mayer, Ströbeles früherer Anwaltskollege Johannes Eisenberg, das frühere RAF-Mitglied Karl-Heinz Dellwo, der ehemalige „taz“-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch oder der Jurist Klaus Eschen, mit dem Ströbele Ende der 1960er Jahre das Sozialistische Anwaltkollektiv gegründet hatte, an den Grünen-Politiker.

Ströbele hatte 2002 als erster Grünen-Politiker überhaupt einen Bundestagswahlkreis direkt gewonnen. Vier Mal war er so in Friedrichshain-Kreuzberg erfolgreich. Sein früheres Wahlkreisbüro lag in der Dresdener Straße nahe dem Kottbusser Tor in Kreuzberg, seine Wohnung und sein Anwaltsbüro hatte Ströbele im Stadtteil Moabit. 2017 war er mit 78 Jahren aus der aktiven Politik ausgestiegen.

Die Gedenkveranstaltung wurde von der Tageszeitung „taz“ in Kooperation mit den Grünen in Berlin organisiert. Ströbele gehörte 1978 zum Kreis derjenigen, die sich für die Gründung der „taz“ engagierten. An der Gedenkfeier in der Arena Berlin in Alt-Treptow nahmen nach Angaben der Veranstalter rund 900 Menschen teil.