Washington - Zwischen den goldenen Kerzenständern auf dem langen Mahagoni-Tisch türmte sich ein frugales Mahl. „Ich mag das alles“, strahlte Donald Trump: „Das sind gute Sachen, großartiges amerikanisches Essen.“ Es wirkte, als schaue Abraham Lincoln, der Gründervater der USA, auf dem Porträtgemälde an der Wand beschämt zur Seite. Mehr als 300 Hamburger, ein bisschen Salat und Unmengen von Pommes Frites hatte sein amtierender Nachfolger am Montagabend auf silbernem Tablett auffahren lassen.

Bewirtung von McDonald's, Wendy's und Burger King

Die festlich gekleideten Gäste vom Hochschul-Football-Team Clemson Tigers wirkten überrascht. „O mein Gott“, staunte ein Sportler und lud sich gleich drei Hack-Buletten auf den Teller. Doch nicht nur die Menü-Auswahl im Bankettsaaal des Weißen Hauses war unüblich: Die Bewirtung stammte nicht etwa aus der Küche der Regierungszentrale, sondern wurde von den Fast-Food-Ketten McDonald’s, Wendy’s und Burger King geliefert und von Trump nach dessen Angaben persönlich bezahlt: „Wir machen das wegen des Shutdown“, sagte der Milliardär.

Ob das Catering des Weißen Hauses tatsächlich nicht in der Lage gewesen wäre, ein paar Häppchen zu produzieren, oder Trump, der angeblich abends im Bett vor dem Fernsehen gelegentlich noch einen Cheeseburger verdrückt, die Gelegenheit für einen PR-Coup nutzte, blieb zunächst unklar. Offensichtlich aber ist, dass der inzwischen seit 25 Tagen herrschende Verwaltungsstillstand immer schmerzhaftere Auswirkungen hat. Weil sich immer mehr Flughafen-Sicherheitsbeamte, die ohne Bezahlung arbeiten müssen, krankmelden, musste in Houston ein ganzes Terminal geschlossen werden. Am Knotenpunkt Atlanta bildeten sich stundenlange Warteschlangen von Reisenden.

800.000 Beamte ohne Bezahlung

Weil sich der Kongress und der Präsident nicht über den Haushalt einigen können, werden seit Weihnachten 800.000 Beamte in den USA nicht mehr bezahlt. Die Hälfte von ihnen muss trotzdem arbeiten. Nicht nur das Geld für Miete, Einkäufe und Ratenzahlungen wird in vielen Familien knapp. Auch viele Fremdfirmen, die für die Regierung arbeiten, stehen mit dem Rücken zur Wand. Gerade hat die Trump-Regierung ihre Wachstumsprognose wegen des Shutdowns stärker nach unten korrigiert. Sie rechnet nun für jede Woche der Haushaltssperre mit einer Einbuße von 0,1 Prozent. Genaue Zahlen gibt es nicht – die Statistiker wurden ebenfalls in Zwangsurlaub geschickt.

Während ultrarechte Republikaner im Kongress ernsthaft jubeln, Trump schaffe nun endlich eine „schlanke Verwaltung“, werden die Folgen des Shutdowns auch im Weißen Haus spürbar. Von den 359 Beschäftigten in der Regierungszentrale wurden 200 zwangsweise nach Hause geschickt. Viele Restaurants rund um das Weiße Haus und die umliegenden Ministerien wirken mittags leer.

Star-Koch bietet kostenlose Mahlzeiten

Da ein Ende des Haushaltsstreits nicht in Sicht ist, hat sich ein Washingtoner Star-Koch nun zu einer höchst ungewöhnlichen Aktion entschlossen. „Niemand in diesem Land sollte sich sorgen müssen, was er oder seine Kinder essen können“, erklärte José Andrés auf Twitter. Nach dem Erdbeben in Haiti hatte der in Spanien geborene erfolgreiche US-Restaurantbesitzer erstmals in Garküchen vor Ort kostenlose Mahlzeiten ausgegeben. Seither half er immer wieder bei Katastrophen.

„Wir erleben gerade ein besonderes Desaster“, erklärte der Koch. Am Mittwoch eröffnet er auf der zentralen Pennsylvania Avenue zwischen dem Weißen Haus und dem Kongress eine kostenlose Not-Küche für unbezahlte Staatsdiener. Damit, so Andrés, wolle er auch ein Zeichen setzen: „Wir Amerikaner sollten wieder zusammenkommen.“ Doch bislang zeigt der Burger-King im Weißen Haus keine Kompromissbereitschaft.