Nach den Wahlen vom 9. August 2020 ziehen junge Belarussen auf die Straße gegen die Staatsmacht.
Foto: AP

MinskErinnern Sie sich an die DDR-Kommunalwahlen am 7. Mai 1989? Wie hätte sich der Staat entwickelt, wenn ein halbes Jahr später der Parteiapparat nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen wäre? Wer heute von Berlin zehn Stunden mit dem Auto in den Osten fährt, kommt in Minsk an und kann beobachten, wie 31 Jahre später in der Republik Belarus (Weißrussland) die Methoden aus der Werkzeugkiste staatlicher Macht weiter angewendet werden. Gelenktes Staatsfernsehen und Kontrolle gehören zum Alltag. Zugleich leben die Menschen in der Republik Belarus in der Gegenwart des 21. Jahrhundert, reisen gerne und haben schnellen Internetzugang. Umso mehr sehnen sie sich nach politischer Freiheit.

Der junge Journalist Ruslan Kulewitsch kann sich an die Sowjetunion nicht mehr erinnern. Er kam im Juni 1991 auf die Welt, sechs Monate vor ihrer formellen Auflösung, mit der auch ein unabhängiger Staat Belarus entstand. Im August 2020 fotografiert er in Grodno, einer belarussischen Stadt nur 20 Kilometer von Polen und der Außengrenze der Europäischen Union entfernt. Er beobachtet lachende Menschen in einem Meer von weiß-rot-weißen Flaggen der Opposition. Es ist ein heißer Augusttag, kurz vor der Wahl. Tausende Menschen jubeln in einem Park der Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja zu.

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