Kann Venedig vor dem Meer gerettet werden? Klimaforscher prognostizieren den Untergang der Lagunenstadt. 
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MadridDieser Satz kann nicht fehlen: „Der Klimawandel ist eine ernsthafte Bedrohung für die Menschheit“, sagte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, der Portugiese António Guterres, am Sonntag in Madrid aus Anlass der 25. UN-Klimakonferenz, die an diesem Montag in der spanischen Hauptstadt beginnen wird. 

Die dramatischen Folgen des Klimawandels sind bekannt. Seit der ersten Klimakonferenz 1995 in Berlin versammeln sich die Staaten der Welt jährlich, um sich drüber einig zu werden, wie diese Folgen abzumildern wären. Sie sind vorangekommen, schrecklich langsam allerdings. Guterres ist einer von denen, die ungeduldig werden. „Wir müssen einfach aufhören, zu graben und zu bohren,“ – nämlich nach Kohle, Öl und Gas – „und die enormen Möglichkeiten nutzen, die uns die erneuerbaren Energien und auf der Natur basierende Lösungen bieten.“

So einfach ist es und so schwierig, weil immer wieder, wie Guterres klagt, „der politische Wille fehlt“, um zum Beispiel einen Preis auf Kohlendioxidemissionen zu erheben oder die gewohnten Subventionen auf den Abbau und Einsatz fossiler Brennstoffe zu streichen. Dafür sind die Klimakonferenzen da: um den politischen Willen der Regierenden anzuspornen.

Routinetreffen der Klimaprofis

Hin und wieder sind auf diese Weise Durchbrüche erreicht worden, die bemerkenswertesten auf der dritten Konferenz 1997 in Kyoto und auf der einundzwanzigsten 2015 in Paris, als sich etliche Staaten auf konkrete Ziele zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen einigten. Die Madrider Konferenz wird mutmaßlich keine sein, die in die Geschichtsbücher eingeht, stattdessen ein Routinetreffen der Klimaprofis. 25 000 Menschen kommen in Madrid zusammen.

In der Hoffnung, dass ihre Zusammenkunft der bedrohten Menschheit von Nutzen ist. Eigentlich sollte diese Konferenz in Santiago de Chile stattfinden, aber die politischen Unruhen in Chile ließen ein Treffen in dieser Größenordnung schon aus Sicherheitsgründen nicht zu. Es musste schnell ein anderer Veranstaltungsort gefunden werden. Die spanische Regierung bot sich Ende Oktober für die Organisation des Treffens in Madrid an. In nur einem Monat stemmte sie das Großereignis – eine erstaunliche logistische Leistung.

Präsidiert wird die Konferenz wie geplant von der chilenischen Umweltministerin Carolina Schmidt. Viel politische Prominenz hat sich für Madrid nicht angemeldet. Von den G20-Staaten schickt nur Argentinien seinen (scheidenden) Präsidenten Mauricio Macri, außerdem kommt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die höchstrangige Vertreterin der Bundesregierung wird Umweltministerin Svenja Schulze sein.

Krieg gegen die Natur muss ein Ende haben

UN-Generalsekretär Guterres dankte am Sonntag ausdrücklich „den jungen Leuten, die eine unglaubliche Führungskraft“ zeigten. „Wir haben die Zukunft der Jugend in Gefahr gebracht“, sagte er. „Unser Krieg gegen die Natur muss ein Ende haben.“ Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein, aber offenbar tut es den Politikern gut, Protest junger Leute auf der Straße zu sehen und zu hören.

Am kommenden Freitag wird sich eine der Hauptverkehrsachsen Madrids mit Demonstranten füllen, ihr optimistisches Motto: „Die Welt ist erwacht angesichts des Klimanotstands.“ Möglicherweise wird bei dieser Demo auch Greta Thunberg auftreten, die zurzeit noch in einem Katamaran aus Amerika Richtung Europa unterwegs ist. Sie will in den nächsten Tagen in Lissabon landen und sich von dort auf den Weg nach Madrid machen.

Druck der Demonstranten

Vielleicht hilft der Druck der Demonstranten, dass sich die in Madrid versammelten Delegierten zu ehrgeizigeren Klimazielen durchringen können. Das Motto ihrer Konferenz ist „Zeit zu handeln“. Patricia Espinosa, die Generalsekretärin der UN-Klimakonvention, gibt der Menschheit noch ein „kleines Zeitfenster“, um die Gelegenheit zum Umsteuern zu nutzen.

Bis 2030 sollten die Treibhausgasemissionen um 45 Prozent sinken, bis 2050 die „Klimaneutralität“ erreicht sein. Das sei eine „extrem schwierige Herausforderung“ – aber machbar. „Die Menschheit ist oft gestolpert“, fügte sie in einem Interview mit El País hinzu, „und hat es trotzdem immer wieder geschafft, voranzukommen. Das einzige, was wir uns nicht leisten können, ist uns geschlagen zu geben.“