Weltwirtschaftsforum in Davos: Wo die Umweltschützer im Privatjet anreisen

Am Montag beginnt das hochkarätige Treffen in dem Schweizer Bergort. Doch viele Teilnehmer verschärfen die Probleme, über deren Lösung sie dort diskutieren.

Learjets und Business-Jets bei Nacht auf dem Flughafen Zürich-Kloten während des Weltwirtschaftsforums WEF 2020.
Learjets und Business-Jets bei Nacht auf dem Flughafen Zürich-Kloten während des Weltwirtschaftsforums WEF 2020.Björn Trotzki/imago

Am Montag beginnt die Jahreskonferenz des Weltwirtschaftsforums in Davos. Es gilt als eines der wichtigsten Treffen für Spitzenpolitiker, Top-Manager und Wissenschaftler. Thematisiert werden die wichtigsten globalen Herausforderungen, zu denen natürlich auch der Klimawandel gehört.

Wie verlogen das Treffen ist, zeigt jetzt eine aktuelle Auswertung des niederländischen Umweltberatungsinstituts CE Delft. Im Auftrag von Greenpeace analysierte das Institut die Anfahrtsreisen der Teilnehmer vom vergangenen Jahr. Ergebnis: In der Woche des Weltwirtschaftsforums (WEF) im vergangenen Jahr flogen 1040 Privatjets von und zu den Flughäfen des Schweizer Bergortes Davos. Sie verursachten damit viermal mehr CO2-Emissionen als in einer durchschnittlichen Woche. Die Forscher führen etwa jeden zweiten Flug auf das Treffen selbst zurück.

Anreise mit dem Privatjet nach Davos: Der kürzeste Flug war gerade mal 21 Kilometer lang

Von all diesen Flügen waren 53 Prozent Kurzstreckenflüge unter 750 Kilometer, die problemlos mit dem Zug oder dem Auto hätten zurückgelegt werden können. 38 Prozent waren Ultrakurzstreckenflüge von weniger als 500 Kilometer. Der kürzeste erfasste Flug war nur 21 Kilometer lang. Zu den Ländern mit den meisten Ankünften und Abflügen von den Davoser Flughäfen gehörten der Analyse zufolge Deutschland, Frankreich und Italien.

Überdies hatte sich die Zahl der Flüge von und zu den Davoser Flughäfen mit Privatjets während des Weltwirtschaftsforums 2022 im Vergleich zu durchschnittlichen Wochen verdoppelt, was CO2-Emissionen verursacht, die etwa 350.000 durchschnittlichen Autos im selben Zeitraum entsprechen.

„Im Privatjet zu einem Treffen zu fliegen, das Klimaschutz nach vorne stellt, ist wie Stopfleber zu einem vegetarischen Abendessen mitzubringen“, sagt Marissa Reiserer, Greenpeace Mobilitätsexpertin zu den Ergebnissen der Studie. „Privatjets sind die klimaschädlichste Art des Transports. Sie noch dazu auf Kurzstrecken zu nutzen, die gut mit der Bahn zu absolvieren sind, ist ignorant und rücksichtslos. Die Bundesregierung sollte sich hinter Frankreich stellen und für ein Verbot von Privatjets und Kurzstreckenflügen in der EU eintreten.“ Greenpeace fordert, Kurzstreckenflüge dort zu streichen, wo zumutbare Zugverbindungen existieren.

In der EU unterliegen Privatjets keinen Emissionsgrenzwerten

In der EU unterliegen Privatjets bislang keinen Emissionsgrenzwerten. Erstmals unterstützten mehrere EU-Mitgliedstaaten im vergangenen Jahr den Vorstoß Frankreichs, die Emissionen von Privatjets in der EU zu regulieren.

Die Zahl der Privatjetflüge in Deutschland erreichte im vergangenen Jahr mit 94.000 einen Negativrekord, so eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Recherche von Süddeutscher Zeitung und NDR. Fast drei Viertel der in Deutschland gestarteten Flüge seien kürzer als 500 Kilometer gewesen. Häufig geflogene Strecken waren demnach Hamburg–Sylt oder Berlin–München.